Ein sehr beliebter Effekt sind Retrostreifen im Stil von Sonnenstrahlen. Diese dienen oft als Hintergrund für Flyer und Wallpaper. In diesem Tutorial möchte ich die Erstellung des klassischen Retrostrahleneffekts zeigen, aber auch mögliche Abwandlungen, die diesen Effekt auf kreative Weise weiterentwickeln.

Ich erstelle mir ein neues Dokument in beliebiger Größe. Mein Beispiel hat die Größe 1600×1200 Pixel. Jetzt blende ich das Raster ein.

Mit dem Rechteck-Werkzeug (U) ziehe ich nun am Raster ausgerichtet vertikale Rechtecke in mein Dokument. Entweder ziehe ich jedes Rechteck einzeln, oder ich benutze ein bestehendes Rechteck, fasse es mit der Maus und aktiviertem Verschieben-Werkzeug (V) plus Alt-Taste und dupliziere das Rechteck und verschiebe es in das nächste Feld im Raster. Anschließend kann ich alle Ebenen, in denen Rechtecke sind, in der Ebenenpalette anwählen und zu einer Ebene reduzieren über das Menü Ebene>Mit darunterliegender Ebene reduzieren bzw. Strg+E. Die Formen werden dabei zu Pixelinhalten gerastert.

Das Raster kann wieder ausgeblendet werden. Sofern die Streifen mit dem Rechteck-Werkzeug über den Dokumentrand hinaus gezogen wurden, empfiehlt es sich, mit dem Freistellungswerkzeug noch einmal den Dokumentrand nachzuziehen, damit keine Inhalte im Verborgenen liegen. Nun wähle ich im Menü Filter>Verzerrungsfilter>Polarkoordinaten. Die Ebeneninhalte werden nun von ihren rechteckigen Koordinaten in Polarkoordinaten konvertiert. Dieser Effekt stammt übrigens aus dem 18. Jahrhundert. Dort als Kunstform angewendet, wurden auf diese Weise verzerrte Bilder gezeigt, die erst wieder durch einen Spiegelzylinder korrekt zu sehen waren.

In der Vorschau sehe ich bereits, wie der Effekt wirken wird. Je enger die Streifen sind und je mehr davon gezogen wurden, desto schmaler werden auch die Retrostreifen. Bei wenigen gezogenen Streifen ergibt sich genau die Anzahl an Streifen, nur dass diese breiter nach außen auslaufen. Zum Vergleich mit mehreren schmalen Streifen:

Und fertig ist der klassische Retrostrahleneffekt – hier noch mit farbig gefülltem Hintergrund und einem Vektorelement im Vordergrund:

Kreative Weiterentwicklungen des Retrostrahleneffekts Der Retrostrahleneffekt ist beliebig erweiterbar. Vier kreative Weiterentwicklungen möchte ich hier vorstellen:
Eine Weiterentwicklung dieses Effekts ist leicht über die Fülloption Verlaufsüberlagerung möglich. Hierzu wähle ich mit Rechtsklick auf die Maus die Strahlenebene an und wähle die Fülloptionen. Dort stelle ich mir meine gewünschten Verlaufsfarben ein. Ich wähle einen nur leichten farblichen Unterschied bei beiden Farben. Anschließend wird der Verlauf auf Radial eingestellt.

Eine schmale Kontur mit 1-5 Pixeln kann diesen Effekt weiter fokussieren. Wähle hierzu einfach die Fülloptionen Kontur und stelle eine Farbe, die dazu passt, ein. Ich habe jetzt einen Lilaton aus den kleinen Sprudeln der Vektorgrafik genommen. Meine Konturstärke: 3 Pixel.

Eine beliebte Erweiterung der Retrostrahlen sind Schwingungen. Diese werden über den Verzerrungsfilter Strudel erzeugt. Dazu wähle ich im Menü Filter>Verzerrungsfilter>Strudel und stelle einen Winkel von 75 Grad ein.

Beliebt ist auch ein Effekt, der zusammenlaufende Retrostrahlen beinhaltet, die sich aber nicht in der Mitte treffen. Dieser Kreativstrahleneffekt lässt sich erreichen, indem ich meinem klassischen Retrostrahleneffekt eine Fülloption Kontur in der Farbe des Hintergrundes gebe. Nun kann ich mit der Konturgröße variieren, wie eng die Strahlen zusammenlaufen sollen. In diesem Beispiel ist die Kontur mittig gesetzt bei einer Größe von 40 Pixel. Dieser Effekt wirkt insbesondere, wenn bereits am Anfang mehr Streifen für die Strahlen angelegt wurden.

Das Problem tritt auf, wenn die Streifen im Dokument nicht einheitlich platziert werden. Beispielsweise kann das passieren, wenn die Platzierung der Streifen am Raster orientiert ist und noch Platz über bleibt, der zu kurz für einen Streifen ist. Lösung: Hier kann das Dokument mit dem Freistellungswerkzeug (C) genau auf die Rasterstufengröße begrenzt werden, damit gleich viele Streifen wie ausgelassene Felder bestehen und keine Fläche übrig bleibt.
Das liegt daran, dass die Streifen bereits aus Pixeln bestehen. Und die Kontur dieser Pixelfläche besteht ebenso aus Pixeln. Diagonale Streifen auf Pixelbasis werden ähnlich einem Treppeneffekt berechnet. Lösung: Wähle das Vorschaubild der Ebenen mit den Streifen mit linker Maustaste und gedrückter Strg-Taste in der Ebenenpalette an. Damit wählst du die Streifen aus. Klicke jetzt in der Pfad-Palette auf das Symbol Arbeitspfad aus Auswahl erstellen. Nun kannst du über das Menü Bearbeiten die Auswahl als eine Eigene Form festlegen. Mit dem Eigene-Form-Werkzeug (U) kannst du nun die Streifen als Vektor aufziehen und eine gestochen scharfe Kontur über die Fülloptionen hinzufügen. Übrigens: Es lohnt sich immer, die Retrostrahlen als eigene Formen festgelegt zu haben, sofern man diese gelegentlich für Flyer oder Wallpaper verwendet.
Das liegt daran, dass der Strudelfilter tatsächlich den inneren Bereich strudelt, während der Außenbereich fast unbehandelt bleibt. Lösung: Wenn die Retrostrahlen als eigene Form gezogen wurden, dann vergrößere diese über den Dokumentrand hinaus. Wende anschließend den Filter an, und dieser wird den inneren Bereich der Strahlen, der sich bis zum Dokumentrand auswirkt, strudeln. Sind die Retrostrahlen pixelbasiert, dann lege diese als Vektorform an.
Dieser Effekt tritt auf, wenn die Strahlen auf eigenen Rahmen basieren, die noch über den Bildrand hinaus angelegt wurden. Lösung: Mit dem Freistellungswerkzeug (C) kann das Dokument genau am Rand entlang freigestellt werden. So wird verhindert, dass nicht sichtbare Bildbereiche außerhalb des Dokuments bei der Anwendung des Filters Polarkoordinaten berücksichtigt werden.
Mit dieser Aktion kann der oben beschriebenen Retrostrahleneffekt mit einem Klick erstellt werden. Und das beste: Auch die Variationen sind dabei.
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