Weichzeichner und Wischfinger in Photoshop

Tutorials 4. Februar 2016 – 0 Kommentare

Weichzeichner und Wischfinger sind keine neuen Werkzeuge. Dennoch sind sie unentbehrliche Helfer, wenn es um das Thema „Glas und Transparenz“ oder das Bearbeiten von Ebenenmasken geht. Die Arbeitsmaterialien zu diesem Video-Training findet ihr im ersten Film dieses Grundlagentrainings.

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Photoshop-Video-Training - Basics & Tricks
In diesem Tutorial möchte ich euch das Weichzeichner- und das Wischfinger-Werkzeug in Photoshop vorstellen.

Schritt 1

Freistellen kann manchmal so einfach sein. Manchmal ist es ja so, dass man, wie beispielsweise in diesem Bild, den Himmel verändern möchte oder dieses Fahrzeug.

Schritt 2

Zum Freistellen des Himmels braucht man wirklich nichts weiter als das Zauberstab-Werkzeug.

Schritt 3

Eine Toleranz von 21 dürfte einigermaßen hinkommen. Mit gedrückter Shift-Taste können wir weitere Bereiche der Auswahl hinzufügen, die wir freistellen möchten. Dazu zoomen wir auch ein bisschen dichter an das Bild heran.

Keine Sorge, es soll in diesem Tutorial nicht um das Zauberstab-Werkzeug gehen, aber ich muss ein bisschen ausholen.

Schritt 4

Damit wären wir mit dem Zauberstab auch schon fertig. Dieser Schritt hat uns gerade mal 10 Sekunden gekostet.

Schritt 5

Jetzt machen wir daraus eine Ebenenmaske,

Schritt 6

… die wir einmal umkehren und schon ist der Himmel maskiert.

Schritt 7

Wenn man nun wissen möchte, wie gut die Freistellung gelungen ist, nimmt man sich das Zoom-Werkzeug und zoomt schön dicht an das Fahrzeug ran.

Schritt 8

Das sieht auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aus. Schaut man aber etwas genauer hin, dann erkennt man, dass doch sehr harte Kanten entstanden sind.

Schritt 9

Jetzt drücken wir die Shift-Taste und klicken auf die Ebenenmaske, so kann man diese nämlich vorübergehend ein- und ausblenden.

Schritt 10

Und jetzt sieht man es: Die Kante ist eigentlich verhältnismäßig weich. Das liegt daran, dass das Objekt an der Stelle einfach nicht perfekt fokussiert war. Man kann es aber natürlich im Nachhinein nicht noch einmal neu fokussieren und deswegen ist es besser, diese Kante anzupassen.

Schritt 11

Wir blenden die Ebenenmaske mit einem Linksklick wieder ein.

Die Kante anpassen heißt in diesem Fall, sie weicher zu machen, und genau dafür gibt es meiner Meinung nach das Weichzeichnner-Werkzeug. Darin enthalten sind übrigens auch das Scharfzeichner- und das Wischfinger-Werkzeug.

Schritt 12

Aber das Weichzeichner-Werkzeug wird man sicherlich sehr viel häufiger brauchen als z.B. das Scharfzeichner-Werkzeug.

Nun kann man diese Kante separat von allen anderen Kanten manuell bearbeiten.

Schritt 13

Natürlich gibt es auch andere Werkzeuge, mit denen wir diese Kanten bearbeiten könnten. Aber man möchte sie vielleicht nicht immer und überall gleich bearbeitet haben.

Diese Kante hier zum Beispiel finde ich wunderbar, man findet kaum einen Treppeneffekt.

Schritt 14

Diese Kante hier ist hingegen nicht so schön. Deswegen möchte ich sie anders behandeln.

Schritt 15

Und dafür verwenden wir jetzt das Weichzeichner-Werkzeug. Das kommt hier mit einer Stärke von 100% an, was vielleicht ein bisschen dick ist, da müssen wir ein bisschen vorsichtiger sein, etwa mit einer Stärke von ca. 70%-80% Prozent. Hier wählen wir 71%.

Schritt 16

Der „Trick“ besteht nun darin, dass man natürlich nicht die Pixel weichzeichnet, sondern die Maske.

Schritt 17

Ich mache das mal kurz spaßeshalber: Wenn man die Pixel weichzeichnen wollte, also sozusagen den Gaußschen Weichzeichner durch dieses Werkzeug ersetzen wollte, …

Schritt 18

… dann muss ich ewig darüberfahren, bis diese Form so langsam beginnt, sich aufzulösen. Ich erhöhe mal auf 100% Stärke und mache an der gleichen Stelle weiter.

Nur langsam kommt eine Unschärfe rein, aber dafür ist das Weichzeichner-Werkzeug auch wirklich nicht gemacht.

Schritt 19

Das Weichzeichner-Werkzeug ist also nicht dafür geeignet, Pixel weichzuzeichnen (höchstens vielleicht die Kontur, die entstanden ist). Es ist vielmehr ein Werkzeug, um Kanten zu verändern. Ein Werkzeug, um Kanten weichzuzeichnen – hauptsächlich natürlich Kanten von Masken, denn man möchte ja gar nicht, dass die Pixel weicher werden, denn dann würde man zum Beispiel die Struktur dieses Metallstabes verändern, sondern man möchte ja nur, dass die Kante weicher daherkommt.

Schritt 20

Deswegen klicken wir einmal die Ebenenmaske an und nehmen eine etwas kleinere Werkzeugspitze.

Schritt 21

Jetzt fahren wir einfach mal an der Kante des Stabes entlang und dann sieht man, dass es gut funktioniert. Die Kante wird wunderschön weich und sieht sehr viel echter und normaler aus.

Diese halbtransparenten weichen Übergangspixel, die ich hier produziere, brauchen wir natürlich. Hätten wir die nämlich nicht, würde dieses freigestellte Objekt aussehen, als wäre es mit der Laubsäge ausgesägt. Das wollen wir nicht haben, deswegen nutzen wir die Weichzeichnung.

Schritt 22

Auch hier sieht man es deutlich: In dieser Kurve brauchen wir eine stärkere Weichzeichnung als in der Vertikalen.

Schritt 23

Überall da, wo wir diese Kurven haben, sieht es ganz besonders grässlich aus und da sollten wir weichzeichnen. An anderen Stellen wiederum müssen wir nur wenig machen.

Deswegen ist es oft sinnvoll, dass man das nicht automatisch löst, sondern solche Kanten von Hand nachzeichnet. Denn wie man sieht, ist man relativ schnell fertig damit und kann die Kante überall so anpassen, wie man sie gerne hätte.

Schritt 24

Wie bereits erwähnt, gibt es auch noch das Scharfzeichner-Werkzeug. Das möchte ich euch zumindest mal vorstellen, auch wenn ich glaube, dass man es relativ selten braucht.

Schritt 25

Sollte eine Kante wirklich mal zu weich sein, dann könnt ihr sie damit nachschärfen.

Schritt 26

Auch hier werden natürlich keine Pixel in Mitleidenschaft gezogen – dafür ist auch dieses Werkzeug nicht geeignet. Aber es ist jederzeit dafür geeignet, zu weich geratene Kanten wieder etwas härter zu machen.

Ich fahre an der betreffenden Stelle ein paar Mal rauf und runter und gehe mal mit der Stärke auf 100%. Und mit einem Mal wird diese Kante wieder schärfer.

Schritt 27

So scharf wollte ich sie auf keinen Fall. Ich mache es aber nicht rückgängig, sondern nehme das Weichzeichner-Werkzeug und fahre hier nochmal ein bisschen runter.

Diese beiden Werkzeuge funktionieren eher im Kleinen und sind nicht für große Flächen gedacht. Beide wendet man lieber auf die Maske an und nicht auf die eigentlichen Pixel. Und beide sind perfekt dafür geeignet, etwas nachzuschärfen oder weichzuzeichnen.

Schritt 28

Bezogen auf das Alter von Photoshop ist dieses sogenannte Wischfinger-Werkzeug,

… beinahe schon „historisch“ zu nennen. Nicht deswegen, weil es ins Museum gehört. Ganz im Gegenteil: Das Wischfinger-Werkzeug ist etwas ganz Aktuelles. Sondern vielmehr deshalb, weil viele Dinge, die sich danach entwickelt haben, z. B. das Mischpinsel-Werkzeug oder auch der Verflüssigen-Filter, damit doch verwandt sind.

Und was diese Verwandtschaft ausmacht, seht ihr gleich, wenn ich an einem einfachen Beispiel zeige, wie das Wischfinger-Werkzeug funktioniert und was man damit anfangen kann.

Schritt 29

Wie ihr sehen könnt, habe ich mir das Auswahlrechteck-Werkzeug geschnappt und ziehe einfach mal eine Auswahl auf.

Schritt 30

Und über Bearbeiten>Fläche füllen

Schritt 31

… möchte ich das mit einer Farbe füllen.

Schritt 32

In diesem Fall wähle ich ein kräftiges Orange. Dann hebe ich meine Auswahl wieder auf.

Schritt 33

Und jetzt hole ich mir das Wischfinger-Werkzeug und setze es mit einer Stärke von 10% ein.

Schritt 34

Nun mache ich Folgendes: Ich wische angefangen vom weißen Bereich von rechts nach links über das Orange hinweg und ende wieder im weißen Bereich. Das sieht dann so aus:

Schritt 35

Ihr seht, die Auswahl wird verzerrt, und wenn man genau hinschaut, dann sieht man auch, dass hier Unschärfen entstanden sind.

Schritt 36

Dass also die weiße Farbe in den orangen Block mit hineingemixt wurde. Machen wir das Ganze mal mit 30%.

Schritt 37

Wie ihr erkennen könnt, wird jetzt erheblich mehr von dieser Farbe mitgenommen, bei 70% würde es dann schon so aussehen:

Schritt 38

Und hier könnt ihr sehen, wie diese Farbe verwischt wird und sich dann so langsam wieder verliert in reines Weiß.

Bei 100% Prozent hört es gar nicht mehr auf zu wischen. Es ist sogar so, dass dieses Weiß so lange angehalten hat, bis ich die Maustaste loslasse. Wenn ich mit Orange anfange, dann passiert das Gleiche auch mit dem Orange und ich kann hier, je nachdem, in welche Richtung ich wische, ganz unterschiedliche Muster erzeugen. Ich kann natürlich durch das, was ich bereits gewischt habe, noch mal durchgehen.

Ihr seht, dass ihr damit total abgefahrene Muster erzeugen könnt. Jetzt sind wir nun mal eben hier in Photoshop und da hat man oft andere Dinge vor, als psychedelische Muster zu machen. Wenn ihr es doch wollt, seht ihr, was ihr damit anrichten könnt, vielleicht nicht 100%, vielleicht nehmt ihr lieber 95%, aber ihr seht, wie dieser Wischfinger prinzipiell funktioniert.

Schritt 39

Gehen wir mal zu folgendem Bild:

Schritt 40

Wir haben hier eine transparente Flasche, die auf einem Untergrund (Landschaft) steht, und die Flasche lässt sich natürlich auch verschieben. Den Schatten hätte ich mit verschieben können, das mache ich aber gerade nicht.

Schritt 41

Das ist eine darauf multiplizierte Flasche, die ich vor weißem Hintergrund fotografiert habe. Und wenn man mal ein bisschen dichter an die Sache ranfährt, dann sieht man die Reflexe.

Schritt 42

Was dagegen nicht so richtig stimmt, ist die Tatsache, dass die Linien hinter dieser Landschaft im Prinzip ungebrochen weitergehen. Ich nehme mal diese Linie im Wald, die man hier sieht. Hinter der transparenten Flasche geht das einfach weiter ohne jede Brechung.

Schritt 43

Wie wir alle wissen, hat Glas einen sogenannten Brechungs-Index, genauso wie Wasser oder auch Luft. Das einzige Medium, das keinen Brechungs-Index besitzt, ist das Vakuum, und selbst da weiß ich nicht genau, ob er nur ganz gering oder gar nicht vorhanden ist. Jedenfalls, jeder weiß: Hinter diesem Glas müssten wir eine Art Brechung sehen. Wir müssten also sehen, dass die Linien um ein paar Pixel versetzt sind.

Jetzt klingt das wie eine richtig komplexe Aufgabe, ist es aber nicht. Ich nehme mal diese Landschaft und kopiere diese Ebenen. Ich ziehe die gewünschte Ebene mit gedrückter linker Maustaste auf das Symbol Neue Ebene erstellen und lasse dann die Maustaste los.

Die neue Ebene „Landschaft Kopie“ erscheint direkt oberhalb der Ebene „Landschaft“.

Schritt 44

Warum habe ich die Kopie der Ebene „Landschaft“ erstellt? Ich muss das machen, da der Wischfinger noch ein älteres Werkzeug ist und rein destruktiv arbeitet. Er arbeitet auf jeden Fall so, dass Pixel dabei tatsächlich verschoben oder verändert werden, deswegen lohnt es sich auf jeden Fall, eine Kopie von der Landschaft anzulegen.

Ich wähle das Wischfinger-Werkzeug aus und drücke die Taste 3, damit es nicht mit einer Stärke von 100%, sondern nur mit 30% arbeitet.

Schritt 45

Jetzt brauche ich bloß noch meine Brechung reinzumalen, denn die Brechung findet natürlich an der Seite der Flasche viel stärker statt, als wenn ich da direkt draufschaue. Ich müsste also mit einem weichen Pinsel die Brechung reinmalen. Das Wichtigste ist erst mal die seitliche Ansicht, also da, wo ich aufgrund der Rundung seitlich auf dieses Glas schaue. Und jetzt ziehe ich einfach runter …

Schritt 46

… und ihr seht, dass wir auf diese Weise eine Lichtbrechung ins Glas bekommen. Das war mit 30% ein bisschen zu stark. Ich gehe mal auf 15%. Das ist immer eine ganz gute Taktik: Wenn man sieht, dass etwas zu stark ist, versucht man es erst einmal mit der Hälfte der Stärke, und wenn das immer noch zu stark ist, nimmt man wieder die Hälfte und so geht man langsam runter.

Bei 10% sehe ich, dass alle meine Linien ein bisschen nach unten gezogen werden und nicht mehr einfach nur hinter diesem Glas weiterverlaufen.

Schritt 47

Das mache ich auf der anderen Seite natürlich auch. Wenn ich zu schnell ziehe, muss Photoshop ein wenig nachdenken. Dann zieht es diese Spur, die ich mit dem Wischfinger verursache, ein wenig hinterher, das ist aber nicht dramatisch.

Schritt 48

Jetzt können wir natürlich an den Stellen, wo wir noch sehr klar durchsehen, wie hier, …

… auch dafür sorgen, dass wir ein bisschen weniger klar sehen. Denn dieses Glas hat natürlich neben seinem Brechungs-Index auch eine etwas unregelmäßige Oberfläche. Es ist ja kein wirklich absolut exakt erstellter Glaskörper, dann müsste es viel viel mehr kosten, sondern das ist ein billiges Pressglas und das sieht ein bisschen anders aus.

Ich gehe also mit der Stärke wieder auf 30% und mache dafür die Werkzeuggröße über Pinselvorgaben>Größe etwas kleiner. Jetzt können wir darin arbeiten, bis wir den Eindruck haben, dass das Glas die Deutlichkeit auch ein bisschen in Mitleidenschaft zieht.

Schritt 49

Gehen wir noch dichter ran, dann seht ihr, was ich meine:

Denn so würde ein Blick durch Glas sicherlich eher aussehen als das, was wir am Anfang gesehen haben.

Schritt 50

Es ist an vielen Stellen einfach immer noch zu klar, das sollte nicht sein. Und für solche Sachen eignet sich das Wischfinger-Werkzeug ganz hervorragend. Ihr könnt den Hintergrund langsam und Stück für Stück so bearbeiten, dass er optisch so wirkt, als würde man ihn wirklich durch Glas sehen.

Schritt 51

Ihr habt also gesehen, dass man mit dem Wischfinger-Werkzeug so einiges machen kann. Es ist ein tolles Werkzeug. Spielt damit herum und guckt mal, was ihr damit anstellen könnt.

Dabei solltet ihr darauf achten, keine zu hohe Stärke zu verwenden, denn zu viel ist nicht gut. Lieber ein paar Mal öfter drübergehen und mit geringerer Intensität arbeiten.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Nachmachen.

Trainer: Uli Staiger

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