Haare freistellen ist eine
der anspruchsvollsten Techniken in Photoshop. Die Schwierigkeiten
bestehen darin, die Haare in ihren feinen Strukturen vom Hintergrund
freizustellen. Diese sind nicht immer scharf im Bild, manchmal wirken
sie halbtransparent und nehmen die Farbe vom Hintergrund auf. Dazu
eignen sich die üblichen Auswahlwerkzeuge wie Lassowerkzeug,
Farbbereichsauswahl etc. leider nicht.
Zum Haare freistellen
eignen sich dennoch mehrere Techniken, die je nach Motiv (Haartyp)
und weitere Verwendung zu einem guten Ergebnis führen können.

In diesem Tutorial möchte
ich das Haare freistellen über Kanäle vorstellen. Diese Technik ist
optimal bei Bildern, in denen die Haare sehr detailliert und in
genügender Schärfe mit einer sichtbaren Differenz zum Hintergrund
freigestellt werden sollen.
Die Haare wirbeln in meinem
Beispiel durch das Bild. Die Technik soll zeigen, wie ich nahezu
jedes einzelne Haare freistelle, um die Person samt Haarpracht vor
einem neuen Hintergrund zu setzen.
Bildquelle:Giorgio Gruizza – Fotolia.com
Auswahl aus Kanal
erstellen
Der erste Schritt besteht
darin, dass ich einen Kanal wähle, der sich für eine Maske
eignet.
Kriterium für den Kanal ist der höchstmögliche
Kontrast zwischen Haar und Hintergrund. In meinem Beispiel ist es der
Blaukanal. Dort erscheinen die Haare weiß und der Hintergrund im
dunklen Grau.
Den Blaukanal dupliziere ich
mit Klick rechte Maustaste => Kanal duplizieren.
Den
Kontrast der Kanalkopie verstärke ich zusätzlich, indem ich das
Menü => Bild => Korrekturen => Tonwertkorrektur... wähle.
Nun verschiebe ich den linken Regler um bis zu 10 nach rechts
und den rechten Regler um bis zu 30 nach links. Dadurch wird aus dem
sehr dunklen Grau ein reines Schwarz und die Haare erhalten einen
stärkeren hellen Ton.

Den Kontrast hätte ich
ebenso gut auch bereits bei der Hintergrundebene mit einer
Einstellungsebene Gradationskurven oder Kanalmixer etc. steigern
können. Hauptsache, der Kontrast zwischen Haar und Hintergrund ist
sehr groß.
Wichtig ist für die Auswahl, dass fast nur noch
schwarz und weiß vorhanden ist. Mit dem Farbwähle kann ich das
Schwarz und Weiß überprüfen. Je grauer die Flächen, desto mehr
muss ich abwedeln und nachbelichten.
Den Kopfbereich kann ich
daher schon mit einem weißen Pinsel ausmalen.
Die einzelnen Haare helle
ich mit dem Abwedler auf, sodass ein nahezu reines Weiß entsteht.
Die Einstellung erfolgt im Bereich Lichter bei einem mittleren
Belichtungswert.
Wenn der Hintergrund
noch kein Schwarz hat, kann ich diesen mit dem Nachbelichter bei
einem unteren bis mittleren Belichtungswert im Bereich Tiefen
schwärzen. Gerade im Haarbereich sollte ich da sehr vorsichtig
vorgehen, damit ich keine Haare verdunkle bzw. zerstöre.
Das
Nachbelichten und Abwedeln ist die entscheidende Arbeit zum Gelingen
der Auswahl. Je nach Haarstruktur und Umfang muss ich bis in sehr
hohe Zoombereiche, um eine ordentliche Schwarz-Weiß-Trennung
zwischen Haare und Hintergrund zu erzielen.
Wenn der
duplizierte Kanal fertig bearbeitet ist, klicke ich mit STRG und
linker Maustaste auf die Kanalminiatur. Der weiße Kanalinhalt wird
ausgewählt.
Anschließend gehe ich in die
Ebenenpalette, dupliziere die Hintergrundebene und füge dieser eine
Ebenenmaske hinzu.

Die Ebenenmaske
berücksichtigt sogleich die zuvor getroffene Auswahl und gibt das
Ergebnis aus.
Hinweis: Es kommt immer auf Haarfarbe und
Hintergrundfarbe an, ob die Haare weiß im Kanal werden oder schwarz.
Die hier beschriebene Technik kann ebenso umgekehrt angewendet
werden, nur muss ich dann die Auswahl umkehren und dann die
Ebenenmaske hinzufügen.
Farbsaum entfernen
Ich
lege eine Textur unter meine freigestellten Haare. Es ist deutlich zu
sehen, wie die blonden Haare einen roten Farbsaum haben. Das ist
insbesondere bei blonden Haaren ein Problem. Diese nehmen gern die
Hintergrundfarbe auf Fotografien teilweise auf – was das
Freistellen selten leichter macht.
Zum Entfernen
des Farbsaums habe ich zwei naheliegende Möglichkeiten. Entweder ich
färbe den Farbsaum in die Farbe des neuen Hintergrundes, oder ich
färbe diese in die Farbe des Haupthaares, sprich: blond.
Die zweite Variante ist
besser, weil ich mir so die Möglichkeit erhalte, jederzeit einen
anderen Hintergrund zu wählen, ohne den Farbsaum noch einmal
bearbeiten zu müssen.
Ich füge die Einstellungsebene
Farbton/Sättigung als Schnittmaske der Ebenen mit den freigestellten
Haaren hinzu. Eine Schnittmaske hat den Sinn, dass sich die Wirkung
der Einstellungsebene nur auf die zugewiesene Ebene auswirkt. Die
Schnittmaske kann ich erstellen mit STRG+ALT+G oder ALT und Klick
zwischen beiden Ebenen oder über das Menü Ebene => Schnittmaske
erstellen.
In der Einstellungsebene kann ich nun
entweder den Standardmodus wählen oder gezielt die Rottöne
ansprechen. In beiden Modi komme ich zum Ergebnis. Ich verschiebe den
Farbtonregler in einen gelben Wert und verringere die Sättigung,
sodass sich die Farbe der übrigen Haare ergibt.
Ich fülle mit
dem Füllwerkzeug die Ebenenmaske der Einstellungsebene mit schwarzer
Farbe, sodass diese voll maskiert ist und der Effekt ausgeblendet
wird.
Im nächsten Schritt wähle ich einen
weißen weichen Pinsel mit mittlerer Deckkraft und male den
Haarbereich nach, der den Farbsaum enthält. Diese Haare werden
blond. Die Übergang zum Haupthaar kann ich mit noch weniger
Deckkraft geschmeidiger machen.
Mit ALT und
Klick auf die Ebenenmaske sehe ich, was ich genau gemacht habe, um
den Effekt aus der Einstellungsebene einzublenden.
Die
Haare sind nun nahezu perfekt freigestellt.
Ich könnte
jetzt noch beginnen, weitere Einstellungsebenen und Montagetechniken
vorzunehmen, um den Hintergrund mit dem Vordergrund optimal
verschmelzen zu lassen. Aber das wäre allein schon Inhalt eines
weiteren Tutorials und hier soll nur die Freistellung der Haare
beschrieben sein.
Ein Video-Tutorial mit allen Schritten genau am Bildschirm gibt es hier zum Download:
Video-Tutorial: Haare freistellen mit Kanälen - verlustfrei perfekte Ergebnisse erreichen 


