Haare kolorieren – von blond zu realistisch schwarzhaarig

Zum Färben von Haaren gibt es in Photoshop mehrere Techniken. So lässt sich die Einstellungsebene Farbton/Sättigung bequem nutzen oder die Füllebene Volltonfarbe anwenden. Das geht immer dann sehr gut, wenn als Ergebnis keine schwarzen Haare erreicht werden sollen. Der Knackpunkt beim digitalen Haare kolorieren sind blonde Haare, die zu schwarzen Haaren werden sollen.

Haare kolorieren – von blond zu realistisch schwarzhaarig

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Bei schwarzen Haaren gelten andere Voraussetzungen. Während blonde Haare ähnliche Werte zu roten oder mittelgetönten Haaren aufweisen hinsichtlich der Helligkeit, des Kontrastes, des Farbtones und der Sättigung, gelten diese Werte nicht bei schwarzen Haaren.

Bildquelle: SAWImedia S.Willnow, Ben Heys @ Fotolia.com

Schwarze Haare nehmen das Licht – so auch das Blitzlicht beim Fotografieren – viel besser auf als blonde Haare. Blonde Haare reflektieren das Licht stärker, wodurch mehr Kontraste im Haar möglich sind. Die Kunst, blonde Haare in schwarze Haare zu färben, besteht darin, die Reflexion des natürlichen schwarzen Haares zu imitieren. Das ist auf dem klassischen Weg über Einstellungsebenen möglich, bedarf aber einiger Experimentierfreude und Zeit, bis sich das richtige Ergebnis einstellt.

Haare kolorieren – von blond zu realistisch schwarzhaarig

Meine Lösung ist eine andere: Ich nutze bereits schwarze Haare als Quelle für Helligkeit, Kontrast, Farbton und Sättigung und passe die blonde Haare daran an. Anschließend wird im Feintuning das Ergebnis abgerundet.

Haare freistellen

Der erste Schritt besteht darin, die Haare freizustellen. Auf welchem Weg die Haare freigestellt werden sollten, hängt immer vom Motiv ab. In meinem Beispiel eignet sich eine Freistellung über den Extrahieren-Filter. In der Version CS4 von Photoshop gibt es den Extrahieren-Filter in den optionalen Zusatzanwendungen,  und er muss in das Plugin-Verzeichnis unter Filter eingefügt werden.

Ich öffne den Extrahieren-Filter über das Menü Filter>Extrahieren. Mit dem Kantenmarker markiere ich die Kanten und mit dem Füllwerkzeug fülle ich den Vordergrund. Über Vorschau mit schwarzem Hintergrund kann ich die Markierung überprüfen. Mit dem Kantenverfeinerer und dem Bereinigen-Werkzeug lassen sich unsaubere Stellen bearbeiten. Anschließend bestätige ich mit OK.

Ich wähle alle Pixel des freigestellten Motivs aus und wähle meine zuvor duplizierten Hintergrundebene an.

Bei aktiviertem Auswahlwerkzeug kann ich die Pixelauswahl in den Kanten verbessern. Anschließend füge ich der Hintergrundkopieebene eine Ebenenmaske hinzu.

Das mache ich, damit ich das freigestellte Motiv jederzeit bequem in der Kantenbegrenzung bearbeiten kann.

Haare kolorieren – von blond zu realistisch schwarzhaarig

Quelle für schwarze Haare vorbereiten

Statt viel Zeit mit Einstellungsebenen zu verbringen, werde ich meinen freigestellten Haaren über die Korrektur Gleiche Farbe die Werte von schwarzen Haaren hinsichtlich Farbton, Sättigung, Kontrast und Helligkeit direkt überstülpen. Ich suche mir dafür ein passendes Bild mit einem Motiv mit schwarzen Haaren.

Haare kolorieren – von blond zu realistisch schwarzhaarig

Die Haare stelle ich grob mit dem Lassowerkzeug frei und lege sie in eine eigene Ebene.

Haare färben mit Korrektur Gleiche Farbe

Ich wechsele in das Dokument mit dem blonden Model, aktiviere meine Ebene mit den freigestellten Haaren (Ebene mit Ebenenmaske) und wähle im Menü Bild>Korrekturen>Gleiche Farbe. Wichtig ist, dass das Häkchen im Feld Vorschau gesetzt ist, damit ich alle Einstellungen sogleich sehen kann.

Haare kolorieren – von blond zu realistisch schwarzhaarig

Unter Bildstatistik wähle ich unter Quelle das Dokument und die Ebene mit den schwarzen Haaren.

Ich senke die Helligkeit des Bildes unter Luminanz näherungsweise bis auf 1. Auch nehme ich dem Motiv etwas Farbintensität raus. Anschließend kann ich mit OK bestätigen.

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Feintuning in den Haaren

Ich gebe dem Übergang der dunklen Haare noch etwas mehr Platz und male in der Ebenenmaske mit weißer Farbe bis in die Stirn hinein.

Mit einem kleinen weichen Pinsel mit niedriger Deckkraft von 5 bis 10 Prozent lichte ich mit schwarzer Farbe in der Ebenenmaske den Übergang von Haut zu Haar. Das ist der anspruchsvollste Part in der Bearbeitung. Denn hier kommt es darauf an, ob das Bild authentisch wird oder nicht.

Haare kolorieren – von blond zu realistisch schwarzhaarig

Ich ziehe dazu in Haarrichtung mit dem Pinsel und versuche so, einen schönen unbemerkbaren Übergang zu malen. Auch am Genick und an den Ohren verfahre ich in dieser Weise.

Am Hinterkopf saufen die Tiefen etwas ab und es lassen sich nur schwer die konkreten Haarstrukturen erkennen. Auch da mal ich mit dem Pinsel und niedrigster Deckkraft in die Ebenenmaske, damit sich die Strukturen der Hintergrundebene auf ganz leichte Weise zeigen, ohne den Farbton im Bild zu verändern.

Mit Klick auf die Ebenenmaske bei gleichzeitig gedrückter Alt-Taste zeigen sich die Pinselaktivitäten.

Haare kolorieren – von blond zu realistisch schwarzhaarig

Tipp: Wenn doch helle Bereiche durchkommen, kann ich auch die Hintergrundebene duplizieren, den betreffenden Bereich mit einer Ebenenmaske sichtbar machen und eine Einstellungsebene Schwarzweiß dazu anlegen. Dann kommt wirklich nur die Helligkeit durch ohne jegliche Farbinformationen.

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Augenbrauen anpassen

Der vorletzte Schritt besteht darin, dass auch die Augenbrauen etwas verdunkelt werden. Ich füge der Hintergrundebene eine Einstellungsebene Gradationskurven hinzu, der ich die Füllmethode Luminanz gebe. Die Kurve ziehe ich ein Stück nach unten, damit das Bild dunkler wird.

Haare kolorieren – von blond zu realistisch schwarzhaarig

Durch die Wirkung der Gradationskurven ändert sich in der Regel nicht nur der Kontrast, sondern auch die Sättigung. Mit dem Ebenenmodus Luminanz kann ich die Änderung der Sättigung verhindern. Es passt sich nur der Kontrast an.

Zum Vergleich – hier die Gradationskurve im Ebenenmodus Normal:

Haare kolorieren – von blond zu realistisch schwarzhaarig

Hier ist der Ebenenmodus Luminanz eingestellt:

Haare kolorieren – von blond zu realistisch schwarzhaarig

Ich fülle die Ebenenmaske zur Gradationskurve mit schwarzer Farbe, damit sich die Wirkung erst mal ausblendet.

Haare kolorieren – von blond zu realistisch schwarzhaarig

Anschließend kann ich mit weißer Farbe innerhalb der Ebenenmaske die einzelnen Härchen nachziehen, sodass die Gradationskurve an diesen Stellen eingeblendet wird und sich der Kontrast verstärkt. Damit ergeben sich passende dunkle Augenbrauen zu den dunklen Haaren.

Haare kolorieren – von blond zu realistisch schwarzhaarig

In der Einstellungsebene Gradationskurve kann ich jetzt die Kontrastverstärkung mit weiteren Kurvenveränderungen variieren und diesen Effekt auch mit der Deckkraft bei Bedarf etwas abmildern.

Haare kolorieren – von blond zu realistisch schwarzhaarig

Feinabstimmung der Haarfarbe

Das Ergebnis ist mir immer noch etwas zu braun, daher wähle ich eine Einstellungsebene Farbton/Sättigung als Schnittmaske (Strg+Alt+G) und entziehe der Ebene noch etwas Sättigung. Bei Bedarf kann ich das Ergebnis im gleichen Schritt auch ein wenig abdunkeln. Die Schnittmaske sorgt dafür, dass der Effekt nur auf die darunterliegende Ebene wirkt.

Haare kolorieren – von blond zu realistisch schwarzhaarig

Mit der Deckkraft der Einstellungsebene kann ich die entsättigende Wirkung noch etwas abschwächen. Ich reduziere die Deckkraft um 15 Prozent.

Fertig ist meine Haarkoloration von blond zu schwarz/dunkelbraun:

Haare kolorieren – von blond zu realistisch schwarzhaarig

Dieses Tutorial gibt es hier als 16-minütiges Videotraining zum Download:

Video-Tutorial: Haare kolorieren von blond zu schwarzhaarig

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