Bokeh-Effekt simulieren mit Pinselvorgaben und kreativ einsetzen

In Fotografien sieht man häufiger im Hintergrund unscharfe Formen, die einem Bild einen angenehmen Charme verleihen kann. Je höher die Schärfentiefe im Bild ist, desto ausgeprägter ist der Bokeh-Effekt. In diesem Tutorial möchte ich zeigen, wie der Bokeh-Effekt über Pinselvorgaben mit Photoshop in ein Bild hineingezaubert und auch für Flyer akzentuiert eingesetzt werden kann.

Was ist der Bokeh-Effekt?

Bokeh kommt aus dem Japanischen und ist nach Definition von Wikipedia “ein in der Fotografie verwendeter Begriff, um die subjektive, ästhetische Qualität von unscharfen Gebieten in einer fotografischen Abbildung zu kennzeichnen, die von einem Objektiv projiziert werden. Es geht dabei nicht um die Stärke der Unschärfe, sondern darum, wie die Unschärfebereiche aussehen.”

Hier habe ich rechts im Bild (Bildquelle: Aleksey Ignatenko – Fotolia.com) typische Bokeh-Formen:

Bokeh-Effekt simulieren mit Pinselvorgaben

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Gerade zur Akzentuierung des Hauptmotivs in Fotografien bei Nachtaufnahmen und Available-Light- sowie Porträtaufnahmen oder zur Lenkung der Aufmerksamkeit des Betrachters kann der Bokeh-Effekt sehr gut eingesetzt werden. Darüber hinaus bildet der Bokeh-Effekt an sich schon ein Stilmittel für Flyerhintergründe und ein Gestaltungsmittel für effektreiche Präsentationen.

Wie kann ich den Effekt in Photoshop authentisch simulieren?

Wichtig ist, dass ich darauf achte, wie die unscharfen Formen/Dots auf Fotografien tatsächlich aussehen. Diese drei Punkte sollte ich bei der Pinselerstellung bzw. Generierung eines Bokeheffekts beachten. Bokehs sind:

  • rund oder polygonartig mit acht bis zehn Seiten
  • leicht weichgezeichnet (von japanisch boke: “unscharf, verschwommen”) und
  • haben eine leichte Kontur außen.

Die Erstellung der Bokeh-Pinselvorgabe in Photoshop

Ich habe ein Dokument mit der Größe 800×600 Pixel. Der Hintergrund ist weiß – in diesem Fall aber völlig beliebig.

Mit dem Ellipse-Werkzeug (U) ziehe ich bei gehaltener Shift-Taste einen Kreis auf. Da die Standardfarben im Farbwähler aktiviert sind, ist der Kreis sogleich schwarz.

Den Flächeregler reduziere ich auf 50 Prozent.

Bokeh-Effekt simulieren mit Pinselvorgaben

Als Nächstes öffne ich die Fülloptionen oder Formebene.

1. Schein nach außen

• Die Farbe für den Schein nach außen ist schwarz bei 80 Prozent Deckkraft im Modus Normal.
Technik: Weicher
Überfüllen: 24 Prozent
Größe: 24 Pixel

Bokeh-Effekt simulieren mit Pinselvorgaben

2. Schein nach innen

• Die Farbe für den Schein nach innen ist schwarz bei 60 Prozent Deckkraft im Modus Normal.
Technik: Weicher
Quelle: Kante
Überfüllen: 0 Prozent
Größe: 16 Pixel

Bokeh-Effekt simulieren mit Pinselvorgaben

Hinweis: Je nach Größe der aufgezogenen Ellipse müssen die Werte in den Fülloptionen entsprechend angepasst werden.

Die Hintergrundebene wird ausgeblendet. Mit dem Auswahlwerkzeug wähle ich grob meinen Kreis aus. Anschließend kann ich meinen Kreis als Pinselvorgabe über das Menü Bearbeiten>Pinselvorgabe festlegen entsprechend festlegen. Im sich öffnenden Dialogfenster sollte ich dem Bokeh-Pinsel einen möglichst genauen Namen geben, weil es sich empfiehlt, gleich ein paar mehr Bokeh-Pinsel zu erstellen. Hier nehme ich den Namen: Bokeh-rund-unscharf.

Bokeh-Effekt simulieren mit Pinselvorgaben

Im Pinselvorgaben-Bedienfeld ist dann dieser Pinsel aufrufbar.

Alternative Technik zum Erstellen am Beispiel des eckigen Bokeh-Effekts

Die erste Technik zeigt den runden Bokeh-Pinsel. Jetzt zeige ich die Erstellung eines eckigen Bokeh-Pinsel mit einer leicht abgewandelten Technik.

Ich wähle das Polygon-Werkzeug und stelle in der Optionsleiste acht Seiten ein.

Wieder ziehe ich mit gehaltener Shift-Taste meine Form auf und reduziere die Fläche auf 50 Prozent.

Bokeh-Effekt simulieren mit Pinselvorgaben

Bei der ersten Technik konnte ich die Weichzeichnung und Kontur mit den beiden Fülloptionen Schein nach außen und Schein nach innen abfrühstücken. Jetzt gehe ich ein wenig anders vor, und zwar stelle ich eine klassische Kontur in den Fülloptionen ein. Die Kontur ist schwarz, außen und hat eine Größe von 7 Pixeln.

Bokeh-Effekt simulieren mit Pinselvorgaben

Die Formebene konvertiere ich in ein Smart-Objekt und führe anschließend den Weichzeichnungsfilter Gaußscher Weichzeichner mit einem Radius von ca. 2,5 Pixeln aus. Das Smart-Objekt ist insofern wichtig, als dass ich dadurch einerseits den Weichzeichnungseffekt schnell variieren und somit verschiedene Unschärfe-Variationen des Pinsels festlegen kann. Andererseits würde ohne das Smart-Objekt die Weichzeichnung nur auf der Form wirken und nicht die Kontur, die über die Fülloptionen erzeugt wurde, berücksichtigen.

Bokeh-Effekt simulieren mit Pinselvorgaben

Alternativ kann ich, sofern ich eine ältere Photoshop-Version benutze, die noch keine Smart-Objekte enthält, folgendermaßen vorgehen: Ich erstelle eine neue Ebene mit dem Shortcut Strg+Shift+Alt+N. Die neue Ebene markiere ich zusammen mit meiner Formebene und reduziere beide über den Shortcut Strg+E auf eine Ebene. Würde ich die Formebene einfach rastern, hätte ich dennoch die Fülloption Kontur, womit ich dann wieder Probleme beim anschließenden Weichzeichnen bekäme.

Der Bokeh-Pinsel im Einsatz: In Fotografien

In meinem anfänglich gezeigten Bild kann ich weitere unscharfe Formen mit meinen festgelegten Pinselspitzen einfügen. Bisher sind die Dots nur rechts im Bild deutlich zu sehen. Auch links vom Hauptmotiv, bei den Hunden, möchte ich den Bokeh-Effekt im Bild haben.

Ich erstelle eine neue Ebene mit Strg+Shift+Alt+N und wähle als Füllmethode den Ebenenmodus Weiches Licht (Shortcut: Alt+Shift+F).

Ich aktiviere mein Pinsel-Werkzeug (B), wähle meinen Bokeh-Pinsel aus und male mit weißer Farbe punktuell den Bokeh-Effekt ins Bild. Für höchstmögliche Authentizität male ich nicht nur runde Dots ins Bild, sondern auch die eckigen Bokeh-Punkte.

Bokeh-Effekt simulieren mit Pinselvorgaben

Sichtbar wird, dass ich zur Angleichung an die bestehenden Dots im Hintergrund die Ebene weichzeichnen muss. Daher rufe ich den Weichzeichnungsfilter Gaußscher Weichzeichner auf und passe den Radius so weit an, dass der neue Bokeh-Effekt mit jenem im Bild übereinstimmt.

Bokeh-Effekt simulieren mit Pinselvorgaben

Der Bokeh-Pinsel im Einsatz: Als Backgroundgrafik

Beliebt ist der Bokeh-Effekt als Hintergrund für Flyer und Wallpaper. Ich selbst habe diesen Effekt schon häufig eingesetzt: für Hintergründe von Werbebannern, als Hintergrund für ein riesiges Plakat im Querformat etc.

Bokeh-Effekt simulieren mit Pinselvorgaben

Wie der Effekt umgesetzt werden kann, möchte ich hier zeigen.

Ich erstelle ein neues Dokument in der Größe 800×600. Je nach Anwendung müssen die Dokumentgröße und die DPI-Anzahl entsprechend berücksichtigt werden.

Der Hintergrund wird mit einem beliebigen Verlauf – in diesem Fall von grün zu rot – versehen. Dazu aktiviere ich mein Verlaufswerkzeug, rufe in der Optionsleiste die Verlaufseinstellungen auf und richte mir dort den entsprechenden Verlauf ein. Mit dem Verlaufswerkzeug (G) ziehe ich mir den Verlauf auf.

Bokeh-Effekt simulieren mit Pinselvorgaben

In einer neuen Ebene im Modus Ineinanderkopieren füge ich in den nächsten Schritten mit dem Pinsel-Werkzeug (B) den Bokeh-Effekt ein.

Da der Effekt hier ein wenig in Größe und Anordnung variiert, bietet es sich an, die Bokeh-Formen nicht einzeln zu pinseln, sondern über die Pinseleinstellungen eine Streuung mit reinzubringen.

Mit F5 öffne ich das Pinsel-Bedienfeld.

Im Register Pinselform aktiviere ich den Abstand auf 100 Prozent.

Bokeh-Effekt simulieren mit Pinselvorgaben

Im Register Formeigenschaften stelle ich im Größen-Jitter die Zufälligkeit der aufgetragenen Bokeh-Dots ein. Ich empfehle einen Wert um die 30 Prozent, denn sonst variiert die Größe zu stark. Da kann ich als Richtwert die Pinselspitzengröße immer noch mit Alt + rechter Maustaste und einer Links-Rechtsbewegung vorgeben. Und mit dem 30 Prozent Größen-Jitter fahre ich bei der Größenvariation sehr gut ohne “zufällige” Überraschungen.

Vor allem beim Einsatz der polygonartigen Pinselspitze sollte ich einen Winkel-Jitter um die 30 Prozent einstellen. Sonst hätten meine Bokeh-Dots immer den gleichen Winkel, was bei den eckigen Bokeh-Dots ein wenig unrealistisch wirken könnte.

Bokeh-Effekt simulieren mit Pinselvorgaben

Im Register Streuung stelle ich die Streuung und Anzahl der Pinsel ein, die aufgetragenen werden, wenn ich die Maustaste gedrückt halte. So kann ich, was gerade beim Background-Bokeh-Effekt Sinn ergibt, eine Zufälligkeit in der Platzierung hineinbringen.

Daher stelle ich eine Streuung von 1000 Prozent, eine Anzahl von 2 und einen Anzahl-Jitter von 100 Prozent ein.

Bokeh-Effekt simulieren mit Pinselvorgaben

In der neuen Ebene füge ich als Erstes mit weißer Farbe und einer sehr großen Pinselgröße die ersten paar Bokeh-Kreise ein. Anschließend rufe ich den Gaußschen Weichzeichner auf und zeichne die ersten paar Bokeh-Kreise mit einem Radius von ca. 7 Pixel weich. Jetzt kann ich noch 1-2 Bokeh-Kreise in die gleiche Ebene einfügen, die sich – da sie nicht weichgezeichnet werden – schön von den bisherigen absetzen. Nicht vergessen: der Modus der Ebenen ist Ineinanderkopieren.

Ich erstelle eine neue Ebene und setze sie in den Ebenenmodus Ineinanderkopieren. Die Pinselspitze verkleinere ich ein wenig und füge erneut Bokeh-Kreise ins Bild ein.

Bokeh-Effekt simulieren mit Pinselvorgaben

Anschließend erstelle ich wieder eine neue Ebene, die auch in den Ebenenmodus Ineinanderkopieren gesetzt wird, und pinsele da auch ein paar Bokeh-Kreis hinein.

Bei Bedarf kann ich das mit weiteren Ebenen fortsetzen. Wichtig ist, dass ich neue Ebenen nehme, damit sich Überschneidungen dank der Füllmethode Ineinanderkopieren schön miteinander verrechnen. Dieser Ebenenmodus mischt die Farben so, dass Tiefen und Lichter der Ebenen mit einer gleichzeitigen leichten Zunahme der Sättigung erhalten bleiben.

Und fertig ist mein Bokeh-Background.

Bokeh-Effekt simulieren mit Pinselvorgaben

Tipp 1:
Zum Variieren des Verlaufs muss ich nicht jedes Mal den Verlauf in der Ebene neu ziehen. Ich kann auch einfach eine Verlaufsüberlagerung als Fülloption zur bestehenden Verlaufsebene hinzufügen. Dort kann ich den Verlauf farblich meinen Wünschen entsprechend einstellen und vom Winkel und der Skalierung genau anpassen.

Bokeh-Effekt simulieren mit Pinselvorgaben

Tipp 2: Es wirkt auch sehr gut, wenn ich verschiedene Weichzeichungen der Bokeh-Kreise vornehme. Also einmal mit 7 Pixel Radius, dann mit 3 Pixel etc. Das gibt schöne Unschärfe-Effekte im Background.

Bokeh-Effekt simulieren mit Pinselvorgaben

Der Bokeh-Pinsel im Einsatz: Als kreatives Gestaltungsmittel

Da die Bokeh-Pinsel schon einmal als Vorgaben angelegt sind, können diese auch gleich als Gestaltungsmittel eingesetzt werden.

Ich füge folgendem Bild (Bildquelle: Alexander Yakovlev – Fotolia.com) eine Füllebene Farbfläche hinzu (in den Versionen vor CS5 hieß diese Füllebene noch Volltonfarbe!). Die Füllebene erhält vorerst die Füllmethode Luminanz.

Die Farbe ist ein bräunlich-gelber Ton. Die Deckkraft stelle ich auf ca. 80 Prozent. In der zugehörigen Ebenenmaske pinsele ich mit meinen Bokeh-Pinselspitzen das Hauptmotiv wieder ein wenig frei.

Bokeh-Effekt simulieren mit Pinselvorgaben

Jetzt kann ich einmal ein wenig die Füllmethoden durchprobieren und schauen, welche interessanten Effekte sich dadurch ergeben.

Auch kann ich die Farbe der Füllebene variieren, um zu schauen, welche Farben besonders harmonisch mit dem Bokeh-Muster reagieren.

Bokeh-Effekt simulieren mit Pinselvorgaben

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