Pfaderstellung mit Adobe Photoshop CS6

Pfade erweisen sich immer wieder als das geeignetste Mittel, wenn es um detaillierte Auswahlen geht oder Bilder exportiert werden müssen. Die Erstellung solcher Pfade erscheint manchem Beginner etwas schwierig. Dass dem nicht so ist und Pfade spielend leicht angelegt werden können, möchte ich dir in diesem Tutorial zeigen.

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Offene Pfade – geschlossene Pfade

Für die Pfade findest du in der Werkzeugleiste das Zeichenstift-Werkzeug und das Freiform-Zeichenstift-Werkzeug. Mit beiden Werkzeugen kannst du gerade oder geschwungene Linien erstellen. Im Flyout des Zeichenstift-Werkzeugs befinden sich weitere Hilfsmittel, die dir beim Erstellen von Pfaden behilflich sind.

Im Optionsmenü kannst du festlegen, ob du einen Pfad oder eine Form zeichnen möchtest. Falls du die Option Form aktivierst, werden ebenfalls Pfadfunktionen genutzt, um diese zu erstellen.

Photoshop füllt jedoch diese Art Pfade gleich mit der Vordergrundfarbe, obwohl der Pfad selbst noch nicht geschlossen ist. Es ist somit genau genommen eine gefüllte Pfadstrecke, die uns eine geschlossene Form simuliert. Die Bearbeitung der Pfadknoten und Unterstrecken ist unabhängig von der gewählten Pfadvariante gleichermaßen möglich.

Einen geschlossenen Pfad erstellst du am besten, indem du zunächst in der Optionsleiste die Option Pfad auswählst und das Pfadobjekt bis zum Ende hin durchzeichnest. Zum Schließen eines Pfades klickst du den Anfangspunkt des Pfadobjektes an. Der Mauszeiger in Adobe Photoshop symbolisiert durch einen kleinen Kreis, dass du beim Anklicken dieses Punktes den aktiven Pfad schließen kannst.

Pfade werden, solange sie nicht anders abgespeichert werden, als Arbeitspfad im Andockfenster Pfade angezeigt.

Du kannst diese erstellten Pfade bearbeiten, indem du die Werkzeuge zur Pfadbearbeitung aufrufst. Du kannst wählen zwischen dem Pfadauswahl-Werkzeug, welches für den gesamten Pfad gilt und mit dessen Hilfe du den Pfad beispielsweise verschieben kannst, und dem Direktauswahl-Werkzeug, das sich für die direkte Knotenbearbeitung anbietet.

In den Optionen kannst du die Ansicht für das Gummiband aktivieren, wodurch du bereits eine Vorschau des zu zeichnenden Pfades erhältst.

Die Knoten

Wer Pfade erfolgreich erstellen möchte, sollte sich mit den verschiedenen Knotentypen auseinandersetzen. Pfade verfügen über 3 grundlegend verschiedene Knotentypen, die jeweils eine andere Auswirkung auf die benachbarten Knoten und die dazwischenliegenden Strecken haben. Standardmäßig ist der symmetrische Knoten voreingestellt. Er ermöglicht das symmetrische Herausziehen der Anfasser, die einen direkten Einfluss auf die benachbarten Strecken haben.

Der glatte Knoten hingegen eignet sich ebenfalls für schöne Kurvensegmente, bietet jedoch die Möglichkeit, die Anfasser unterschiedlich lang herausziehen zu können. So kannst du beispielsweise einer nachfolgenden Kurve mehr Schwung mitgeben oder den Radius kleiner ausfallen lassen.

Zu diesen zwei Knotentypen gesellt sich noch der spitze Knoten. Diesen kannst du mithilfe der Taste Alt erzeugen, indem du beim Editieren des Anfassers diese Taste kurz gedrückt hältst und dann den Anfasser in einen beliebigen Winkel einstellst.

Um aus einem glatten oder einem spitzen Knoten wieder einen symmetrischen Knoten zu formen, benutzt du am besten das Punkt-umwandeln-Werkzeug, mit dessen Hilfe du einen Knoten neu ausformst. Die bisherige Knotenform geht bei Benutzung dieses Werkzeugs zunächst verloren.

Erst durch das erneute Herausziehen der Anfasser formst du die Kurvensegmente zwischen diesem und den benachbarten Knoten neu aus. Da Adobe Photoshop kein Vektorprogramm im eigentlichen Sinne ist, fehlen die typischen Knotenbearbeitungsfunktionen zum einfachen Umwandeln der Knotentypen etc., wie man sie beispielsweise aus Adobe Illustrator kennt.

Du kannst diese Anfasser auch in bestimmten Winkeln ausrichten, indem du die Shift-Taste auf deiner Tastatur drückst, während du die Anfasser bewegst. Die voreingestellte Winkelschrittweite in Adobe Photoshop beträgt 15 Grad und lässt sich auch in den Optionen nicht ändern.

Die gleiche Funktion lässt sich anwenden, wenn du einfach nur Ankerpunkte setzt, ohne die Anfasser herauszuziehen. Du kannst unter Einsatz der Shift-Taste und mithilfe von einfachen Klicks gerade Liniensegmente als Pfad einzeichnen. Sobald du jedoch die Anfasser herausziehst, werden diese Geraden zu Kurven.

Neben diesen manuellen Pfaden kannst du auch auf eine Art automatischen Pfad zurückgreifen, mit dem Freiform-Zeichenstift-Werkzeug. Dieses dient ebenfalls der Pfaderstellung, funktioniert jedoch ein wenig anders.

Mit diesem Werkzeug kannst du beispielsweise ein Objekt freihändig umfahren und Adobe Photoshop setzt automatisch die notwendigen Ankerpunkte, wenn die Option Magnetisch in der Optionsleiste aktiviert wurde. Falls nicht, kannst du dennoch fließend Pfade durch einfaches Gedrückthalten der linken Maustaste auf die Arbeitsoberfläche zeichnen. Hier kommen insbesondere Anwender mit Grafiktabletts auf ihre Kosten, da sie intuitiv wie mit einem Stift einen Pfad "zeichnen" können.

Bei dem Freiform-Zeichenstift-Werkzeug gibt es in den Optionen noch einige Einstellungsmöglichkeiten. Es gibt die Kurvenanpassung und unter Magn. weitere Zeichenstift-Optionen. Die Kurvenanpassung legt fest, wie viele Ankerpunkte beim Erstellen des Pfades hinzugefügt werden. Je mehr Ankerpunkte im Pfad sind, desto genauer ist der Pfad. Doch für die Bearbeitung und Änderung des Pfades wird die Bearbeitung umso schwieriger, je mehr Ankerpunkte es im Pfad gibt.

Für einfache Formen reichen schon wenige Ankerpunkte, komplexere brauchen mehr Ankerpunkte. Bei einem geringen Wert werden automatisch viele Ankerpunkte gesetzt. Die Option Breite bestimmt den Abstand von Kante und Pfad, ab wann kontrastierende Pixel gesucht werden sollen. Die Option Kontrast bestimmt, welcher Kontrastwert von Pixeln als Kante gilt.

Bei kontrastarmen Bildern sollte dieser Wert hoch sein. Die Frequenz bestimmt den Abstand der Ankerpunkte im Pfad. Je höher die Einstellung, umso mehr muss auch Photoshop rechnen. Bei weniger leistungsstarken Rechnern kann sich das beim Arbeiten bemerkbar machen. Die Aktivierung der Option Zeichenstift-Druck ist für Benutzer von Grafiktabletts interessant. Damit kann die Zeichenstiftbreite durch Druck auf das Tablett variiert werden.

Hast du einen Pfad gezeichnet und stellst fest, dass eventuell zu wenige oder zu viele Ankerpunkte in diesem Pfad hinterlegt sind, kannst du einige dieser Punkte entfernen oder zusätzliche Punkte hinzufügen, indem du die Menüeinträge aus dem Flyout des Zeichenstift-Werkzeuges entsprechend deines Anwendungsfalls aufrufst und benutzt.

Du kannst damit ganz einfach Punkte entfernen, indem du diese mit dem Ankerpunkt-löschen-Werkzeug markierst.

Der Ankerpunkt wird daraufhin umgehend entfernt.

Auf die gleiche Art und Weise funktioniert das Hinzufügen von zusätzlichen Ankerpunkten. Du kannst einen neuen Punkt setzen und diesen gleich mit den Anfassern bei gedrückt gehaltener linker Maustaste aufziehen.

Der so erstellte Pfad lässt sich benutzerdefiniert abspeichern, indem du einen Doppelklick auf die Arbeitspfadebene in der Pfadübersicht ausübst. Dann kannst du diesem Pfad einen neuen Namen zuweisen.

Das ist besonders sinnvoll, wenn du mit mehreren Pfaden beispielsweise für unterschiedliche Objekte arbeitest. Du kannst wie auch bei den Ebenen für Pfade mehrere "Pfadebenen" anlegen, indem du das Neu-Symbol am unteren Ende der Pfade-Palette anwählst.

Pfade können für bestimmte Funktionen herangezogen werden. Sie bestimmen in der Regel den bearbeitbaren Bereich durch ihre Begrenzung. In der Pfade-Palette befinden sich am unteren Ende verschiedene Schaltflächen mit unterschiedlichen Funktionen. So kannst du beispielsweise Pfade löschen, indem du die aktive Pfadebene auf den Papierkorb ziehst.

Die linke Schaltfläche füllt einen geschlossenen Pfad mit der gerade aktiv eingestellten Vordergrundfarbe. Die Schaltfläche daneben dient dazu, die Pfadkontur zu füllen.

Diese steht jedoch in Abhängigkeit zu den Pinseleinstellungen in Adobe Photoshop. Der jeweils aktuell eingestellte Pinsel wird für das Füllen dieser Kontur verwendet. Deshalb bietet es sich an, die Pinseleinstellungen im Vorfeld zu editieren, damit nach der Benutzung dieser Option der Pfad den Vorstellungen entsprechend befüllt wird.

Sind diese Einstellungen in den Pinseloptionen vorgenommen worden, kann der Pfad mit einem Klick auf diese Schaltfläche gefüllt werden. Hier lassen sich interessante Leuchtkontureneffekte auf Bilder anwenden.

Nachdem die Pfadkontur befüllt worden ist, kannst du auch den Pfad an eine andere Stelle im Dokument verschieben.

Die Änderungen sind nicht auf der Pfadebene durchgeführt worden, sondern auf der normalen Bearbeitungsebene. Hier sollte man im Vorfeld darauf achten, welche Bearbeitungsebene gerade aktiv ist, um unerwünschte Bildveränderungen zu vermeiden.

Du kannst ferner über diese Schaltflächen einen Pfad als Schablone für Auswahlen oder zum Erstellen von Ebenenmasken benutzen. Die eingeschlossene Fläche ist dabei immer die aktive Form.

Mithilfe von Pfaden kannst du nicht nur Auswahlen erstellen. Sie können auch dazu verwendet werden, als Ausrichtungspfad zu dienen. Das wird deutlich, wenn du einen Pfad beispielsweise mit dem Text-Werkzeug kombinierst. Du kannst Texte an einem vorhandenen Pfad ausrichten. Bei einem bestehenden Pfad und aktiviertem Text-Werkzeug ändert sich der Mauszeiger, wenn dieser auf einen Pfad trifft.

Nun kannst du den Text entlang des Pfades schreiben. Der Pfad selbst ist kein aktives Sichtobjekt.

Du kannst darüber hinaus nicht nur Texte entlang von Pfadstrecken schreiben, sondern auch innerhalb geschlossener Pfade. Bei geschlossenen Pfaden kannst du dich entscheiden, ob du den Text am Pfad entlang außen schreiben möchtest oder innerhalb der Pfadbegrenzung. Hier erscheint dann ein weiteres Symbol an unserem Mauszeiger.

Du kannst deinen Text nun innerhalb des Pfadobjektes schreiben und normal formatieren. Lediglich die Darstellung des Textes ist begrenzt durch die Pfadform. Der Text wird dynamisch an der Pfadbegrenzung umbrochen. Der Text verhält sich genauso wie in einem Mengentextrahmen.

Änderst du den Rahmen, also die Pfadform, passt sich der Text der neuen Begrenzung an. So lassen sich interessante Textbausteine erstellen.

Pfade speichern und extern verwenden

Pfade eignen sich nicht nur zur Bearbeitung innerhalb von Adobe Photoshop, sondern können auch extern verwendet werden. So kannst du zum Beispiel ein Objekt umranden oder feinauswählen und den Pfad im Dokument speichern. Das Dokument selbst kannst du entweder im Photoshop-Format oder beispielweise als Tiff sichern.

Öffnest du nun zum Beispiel eine weitere Hostanwendung wie Adobe InDesign, kannst du diese Bilder dort platzieren.

Viele Layoutprogramme verfügen über Optionen zum Suchen und Einstellen von Kanten, die in eingefügten Objekten vorhanden sind. In einigen Programmen muss man diese Funktion unter Umständen erst suchen.

In InDesign gibt es ein Dialogfeld, mit dessen Hilfe du den passenden Pfad aussuchen kannst, der für dieses Bild verwendet werden soll.

Ist dieses voreingestellt, kannst du den Referenzpfad aus der Liste wählen …

… und diesen dazu verwenden, Bereiche um den Pfad herum zu verdrängen.

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