Pinsel und Radierer in Photoshop

Hier erfahrt ihr einiges über den Pinsel, den Radierer und seine Nachkommen wie beispielsweise den Hintergrundradierer. Auch der Misch-Pinsel, mit dem man Pixel und Vordergrundfarbe auf ein Bild auftragen kann, wird hier erklärt. Die Arbeitsmaterialien zu diesem Video-Training findet ihr im ersten Film dieses Grundlagentrainings.

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Teil 1: Der Pinsel und das Buntstiftwerkzeug

Eins der zentralen Werkzeuge in Photoshop ist der Pinsel bzw. das Pinselwerkzeug. Das findet ihr in der Werkzeugkiste und der kleine weiße Pfeil deutet darauf hin, dass es dort noch mehr Werkzeuge gibt, nämlich:

• den Pinsel
• das Buntstiftwerkzeug
• das Farbe-ersetzen-Werkzeug
• den Misch-Pinsel

PS: in der Werkzeugleiste ist der Werkzeugkasten Pinselwerkzeuge geöffnet. Außerdem ist das Beispielbild Segelboot zu sehen.

Um die Unterschiede zwischen beiden Werkzeugen deutlich zu machen, probiere sie am besten in einer Datei aus. Wähle einen nicht zu kleinen Werkzeugdurchmesser und zieh mit dem Buntstiftwerkzeug eine ungleichmäßig geformte Struktur. Zeichne mit einem Pinsel in vergleichbarer Größe, dessen Härte auf 100% eingestellt ist, eine ähnliche Struktur daneben.

Vergleich des Buntstiftwerkzeugs und der Pinsels anhand der Pinselräder bei 100% Werkzeughärte.

In der Vergrößerung kann man deutlich erkennen, dass bei der Form, die mit dem Buntstiftwerkzeug erzeugt wurde, eine sehr harte Kante mit deutlich sichtbaren Pixeltreppen entstanden ist. Solche harten Kannten werden in der Bildbearbeitung nur sehr selten benötigt.

Die Kante der Form, die mit dem Pinsel erzeugt wurde, hat, trotz der 100%igen Härte, ein weicheres Aussehen, da das Pinselwerkzeug interpoliert wird. Mit diesen Kanten wird die Bearbeitung von Bildern gefälliger.

Im Folgenden werdet ihr nun das Pinselwerkzeug genauer kennenlernen.

Um einen Pinsel in Photoshop einzusetzen, gibt es genau zwei Möglichkeiten:
Entweder man setzt ihn im Bild selbst, auf einer Ebene, ein oder man setzt den Pinsel auf einer Ebenenmaske ein. Und es gibt eine ganze Menge Möglichkeiten in Photoshop, wo der Einsatz eines Pinsels wirklich eine tolle Idee ist und einen weiterbringt.

Beispielbild Segelboot

Schauen wir uns das Beispielbild an, so könnte man damit eigentlich zufrieden sein. Aber es gibt doch ein paar Sachen, die man ändern kann. Der Himmel, zum Beispiel, ist ein wenig zu blass. Und das werden wir jetzt ändern.

Als Erstes erstellen wir nun eine neue Ebene, eine Einstellungsebene vom Typ Gradationskurve. Wir klicken auf die Mitte der dargestellten Kurve und ziehen diese ein wenig nach unten. So wird die gesamte Aufnahme etwas dunkler und der Himmel kommt nun besser zur Geltung.

Es wurde eine Einstellebene Gradationskurven erstellt. Das Feld, in welchem man die Werte verändern kann, ist geöffnet und zeigt die erfolgte Veränderung der Kurve.

Da aber das gesamte Bild dunkler geworden ist, sind nun die tiefen Schatten des Bootes zu dunkel geworden und die Zeichnung des Wassers dort ist fast verschwunden. Aber das ist nicht schlimm. Wir haben ja das Pinselwerkzeug, und indem wir damit in der Maske malen, die in der Einstellungsebene Gradationskurve automatisch mit erstellt wurde, holen wir die verloren gegangene Zeichnung wieder hervor.

Dazu wählen wir einen runden Pinsel in einer Größe, die zügiges Arbeiten erlaubt, und stellen die Härte des Werkzeugs auf 0%. Das könnt ihr entweder über die Möglichkeiten des Grafiktabletts vornehmen oder ihr verschiebt den Regler in den Werkzeugoptionen auf den gewünschten Wert.

Das kleine Feld für die Auswahl von Pinselspitzen ist geöffnet und der Regler für die Kantenhärte der Pinselspitze ist aktiv und zeigt 0 %.

Diese Pinseleinstellung ist nötig, damit ihr am Ende keine harten Kanten im Bild findet, die deutlich auf eine Bearbeitung hinweisen und auch unschön aussehen.

Die Maske der Einstellungsebenen Gradationskurve wurde aktiviert und mit einem schwarzen Pinsel wurden zu dunkel wirkende Stellen wieder aus der Bearbeitung herausgenommen.

Um wirklich in der Maske zu malen, aktivieren wir diese mit einem Klick darauf. Ein schwarzer Rahmen um das Maskensymbol wird diese Wahl bestätigen. Für die Pinselfarbe wählen wir Schwarz als Vordergrundfarbe und dann kann es losgehen. Wir malen mit dem Pinsel die Stellen im Bild nach, die durch die vorangegangenen Bearbeitungsschritte gelitten haben. In unserem Fall sind das vor allem die Schatten des Segelboots.

Um zu kontrollieren, wie sich die Pinselstriche auf das Bild auswirken, könnt ihr die Maske deaktivieren und wieder aktivieren.

Was können wir mit dem Pinsel in diesem Bild noch ändern? Wie wäre es, dem Boot Farbe zu verleihen?

Dazu müsst ihr euch erst einmal eine Farbe auswählen. Am einfachsten ist das mit der Pipette. Das Werkzeug dafür braucht ihr nicht extra zu aktivieren, es genügt, die Alt-Taste zu drücken und auf dem Bild (nicht der Maske) die gewünschte Farbe anzuklicken. Natürlich könnt ihr auch über den Farbwähler eine Vordergrundfarbe auswählen, die sich nicht im Bild befindet.

Über der Ebene mit dem Boot liegt eine Farbeebene im Modus Farbe.

Ihr legt als Nächstes eine neue Ebene an und füllt sie mit der gewünschten Farbe aus. Nachdem ihr den Ebenenmodus auf Farbe umgestellt habt, seht ihr euer Bild wieder. Nur ist nun alles eingefärbt. Ihr erstellt für diese Farbebene eine Ebenenmaske.

Das geht am schnellsten, wenn ihr mit gedrückter Alt-Taste das Ebenenmaskensymbol (s. Pfeil) anklickt. Damit erzeugt ihr eine mit schwarzer Farbe ausgefüllte Maske, durch welche die Farbeebene erst einmal komplett wieder ausgeblendet wird.

Dann wählt ihr wieder einen Pinsel, stellt die Vordergrundfarbe diesmal auf Weiß und ihr stellt sicher, dass ihr die Maske noch aktiviert habt.

Mit einem weichen Pinsel holt ihr nun zügig auf den von euch gewollten Stellen die Farbe wieder ins Bild. Seid ihr dabei zu eifrig und habt über die Ränder der gewollten Fläche hinaus gemalt wie im Beispiel bei dem Seil, ist das kein Problem. Ihr könnt mit einem (gegebenenfalls kleineren) Pinsel und der Vordergrundfarbe Schwarz den Fehler leicht wieder korrigieren, da beim Malen auf einer Maske keine Informationen verloren gehen, sondern diese nur ein- oder ausgeblendet werden. Es wird non-destruktiv, nicht zerstörerisch, gearbeitet.

Zur Farbebene wurde eine mit Schwarz gefüllte Maske hinzugefügt, in welcher mit einem weisen Pinsel die Stellen am Boot übermalt werden, die schlußendlich blau erscheinen sollen.

Mit diesen Aktionen sollte das Beispielbild Boot fertig bearbeitet sein: Ihr habt den Himmel abgedunkelt und das Boot umgefärbt. Alles nur mithilfe eines weichen Pinsels.

Teil 2: Das Farbe-ersetzen-Werkzeug

Das Farbe-ersetzen-Werkzeug ist das dritte Werkzeug im Kästchen mit den Pinselwerkzeugen. Es ist sehr gut geeignet, um damit bestimmte Farben beispielsweise in Maschinenteilen, Randpixeln oder Reflexen umzufärben. Nachteil dieses Werkzeugs ist, dass ihr damit im Bild direkt arbeiten müsst und damit Bildinformationen endgültig ändert (destruktives Arbeiten).

Damit ihr im Falle eines Fehlers den Ursprungsinhalt nicht mühsam wiederherstellen müsst, solltet ihr euch für die Arbeit mit diesem Werkzeug immer eine Ebenenkopie anlegen und nur auf dieser arbeiten.

Beispielbild Flugzeug, der Werkzeugkasten Pinselwerkzeuge ist geöffnet und das Farbe-ersetzen-Werkzeug markiert.

Auch für dieses Werkzeug gibt es einige Einstellungsmöglichkeiten, mit denen ihr euch vertraut machen sollt. So könnt ihr für die Art und Weise, den Modus, wie die Farbe ersetzt werden soll, zwischen den Möglichkeiten Farbton, Farbe, Sättigung und Luminanz wechseln.

In der Optionsleiste ist das Feld Modus geöffnet. Und in der Farbauswahl ist die Vordergrundfarbe Blau die aufzutragende Farbe. Die Hintergrundfarbe zeigt die bereits gewählte, zu ersetzende Farbe.

Mit den unterschiedlichen Wirkungen macht ihr euch am schnellsten vertraut, in dem ihr diese in einem Beispielbild ausprobiert.

Am Flugzeugleitwerk wurde die Wirkung der unterschiedlichen Verarbeitungsmodi für das Farbe-ersetzen-Werkzeug vorgeführt.

Das beste Ergebnis erzielt ihr wahrscheinlich im Modus Farbe, den auch ich fast immer zum Umfärben verwende.

Arbeitet ihr mit diesem Werkzeug, stehen euch alle Pinselspitzen der Werkzeugpalette zur Verfügung; aber es ist sinnvoll, vor allem mit runden, weichen Pinselspitzen zu arbeiten. Das Werkzeug funktioniert so: Unter dem Kreuz in der Mitte der Pinselspitze wird die zu ersetzende Farbe aufgenommen und innerhalb der gesamten Fläche des Pinsels mit der Vordergrundfarbe ersetzt.

Setzt ihr den Pinsel einmal kurz ab und wollt weiterarbeiten, kann es vorkommen, dass plötzlich gar nichts mehr funktioniert. Ihr habt dann den Pinsel im bereits umgefärbten Bereich neu angesetzt und Photoshop ersetzt nun wie im Beispielbild die Farbe Blau mit Blau. Achtet also, wenn ihr den Pinsel neu ansetzen müsst, darauf, dass sich das Kreuz in der Pinselmitte auch über der zu ersetzenden Farbe befindet.

Wichtig ist es auch, dass ihr beim Umfärben größerer Flächen möglichst lange arbeitet, ohne den Pinsel abzusetzen. So vermeidet ihr die schmalen Streifen nicht umgefärbter Pixel, die entstehen, weil am Rand der bereits bearbeiteten Fläche die Pixel erst teilweise umgefärbt waren. Dadurch werden sie mit dem wieder aufgesetzten Pinsel nicht mehr erfasst und müssen extra angewählt werden.

Der Wert der Toleranz bestimmt dabei, wie weit der Farbton, der noch mit bearbeitet wird, vom Farbton des Ursprungsortes abweichen darf. Ist die Toleranz zu klein gewählt, werden immer nur kleine Flächen umgefärbt. Ist sie zu groß gewählt, können auch andere als die gewünschte Farbe umgefärbt werden. In der Regel ist ein Wert zwischen 20% und 30% ausreichend für zügiges Arbeiten.

Wollt ihr mit diesem Werkzeug größere Flächen umfärben, die beispielsweise Licht- und Schattenflächen aufweisen, ist es sinnvoll, die Farbaufnahme des Pinsels von Einmalig (1) auf Kontinuierlich(2) umzustellen. Wichtig ist dann, dass ihr aufpasst, die Pinselspitze, das Kreuz in der Mitte, nicht über die von euch gewählte zu ersetzende Farbe hinaus zu bewegen. Durch die kontinuierliche Farbaufnahme wird nun automatisch auch die Farbe gewechselt, wenn ihr den Rand der Fläche überschreitet.

Habt ihr den Modus Benachbart eingestellt, werden nur Flächen umgefärbt, deren Pixel unmittelbar zusammenhängen. Farbflächen, die durch andersfarbige Pixel getrennt sind, bleiben erhalten.

Wollt ihr das nicht, weil ihr viele kleine Farbflächen im Bild umfärben müsst, stellt diesen Modus auf Nicht aufeinander folgend. Dann wird jede Farbfläche im Bild, die den Einstellungen entspricht, beim Übermalen umgefärbt.
Zu sehen ist die Auswirkung der Einstellung benachbart auf farblich gleiche, aber von andersfarbigen Pixeln umschlossene Flächen.

So viel zum Farbe-ersetzen-Werkzeug.

Teil 3: Der Misch-Pinsel

Die zwei Aufgaben des Misch-Pinsels sind zum einen, die Pixel der aktiven Ebene zu vermischen, und zum zweiten kann er noch die gerade aktive Vordergrundfarbe mit ins Bild mischen.

In der Werkzeugleiste ist das Pinselwerkzeug geöffnet und der Misch-Pinsel hervor gehoben.

Ist die Vordergrundfarbe Schwarz, werden die Konturen des Pinsels im Bild deutlicher und damit der Eindruck des Gemalten verstärkt, der Pinselstrich wird nachvollziehbarer.

Das große Pinselmenü ist geöffnet und die interaktiven Borstenpinsel sind durch einen Rahmen hervorgehoben.

Für alle, die ein Grafiktablett ihr Eigen nennen können, empfiehlt es sich, für das Arbeiten mit diesem Werkzeug die interaktiven Borstenpinsel zu nutzen. Diese Pinselspitzen findet ihr bereits in verschiedenen Pinselsets wie beispielsweise hier im Set der Kalligraphiepinsel. Sie reagieren besonders sensibel auf Haltung und Druck des Stiftes eines Grafiktabletts und ihr könnt sie im Eigenschaften-Menü leicht an eure Vorstellungen anpassen.

Dabei kann man die Form des Pinsels, die Anzahl der Borsten, die Länge und die Steifheit der Borsten, die simuliert werden, einstellen.

Ein Borstenpinsel wurde aktiviert und der spezielle Einstellungsdialog für diese Pinsel ist geöffnet.

Jeder der Schieberegler hat Wirkung auf das Aussehen des virtuellen Pinsels und auf seine Eigenschaften:

• Der Regler Borsten verändert die Anzahl der Pinselborsten.
• Der Regler Länge die Länge der Borsten – was den Pinsel steifer oder, bei längeren Borsten, elastischer macht.
• Der Regler Stärke wirkt mit allen anderen Einstellungen zusammen, verstärkt deren Wirkung oder schwächt sie ab, sodass die Auswirkungen der Einstellungen auf die Pinselspitze erst sichtbar werden, wenn ihr eine gewisse Stärke eingestellt habt.
• Der Regler Steifheit verändert die Elastizität der einzelnen Pinselborsten.
• Der Regler Winkel verändert den Winkel, mit welchem die Borsten auf der Arbeitsfläche wirken.

Mit Abstand stellt ihr ein, wie dicht nebeneinander die Pinselspitze eingesetzt wird. Für das Arbeiten mit dem Misch-Pinsel solltet ihr den Wert auf 1% einstellen. Das erzeugt einen durchgehenden Pinselstrich.

Die von Uli Staiger für dieses Beispielbild gewählten Pinseleinstellungen.

Habt ihr euch für ein – zum Üben besonders kontrastreiches – Bild und einen Pinsel entschieden, könnt ihr das Verhalten des Pinsels auf dem Bild weiter beeinflussen. In der Optionsleiste findet ihr wieder ein Feld mit verschiedenen vordefinierten Modi, welche die Wirkungsweise des Pinsels bestimmen.

Zum Beginn eurer Übungen solltet ihr euch erst einmal für einen der mittleren Modi entscheiden und probieren, was auf eurem Bild geschieht, wenn ihr den Pinsel nutzt.

Der Pinsel wurde angepasst und nun ist in der Optionsleiste die Auswahl für die voreingestellten Wirkungen des Werkzeugs geöffnet.

Danach solltet ihr euch mit den weiteren Optionen befassen: Die wichtigste davon ist der Mix. Diese Zahl gibt in Prozent an, wie viel der Vordergrundfarbe zu den Farbtönen des Bildes dazugerechnet wird. Ist die Vordergrundfarbe Schwarz und steht der Wert Mix auf 0%, werden die eigentlichen Farben des Bildes sehr schnell dunkel.

Die nächste Größe, die ihr euch ansehen solltet, ist der Fluss. Dieser Wert bestimmt, wie wirkungsvoll der Misch-Pinsel arbeitet. Bei einem Wert von 100% werden alle Bilddetails zu einem Pinselstrich verarbeitet und bei einem Wert von 0% seht ihr so gut wie keine Wirkung eurer Striche mehr.

Weitere Werte, die man ausprobieren sollte, sind die Nässe und der Farbauftrag. Überhaupt solltet ihr bei allen Einstellungsmöglichkeiten, die ihr noch nicht kennt, die Wirkung ausprobieren, indem ihr einfach mal die Extremwerte einstellt und beobachtet, wie sich das auf eure Arbeit auswirkt. An die für euch persönlich am besten geeigneten Einstellungen müsst ihr euch dann herantasten. Jeder entwickelt da seine eigenen Vorlieben.

Der Wert Nässe wird im Beispielbild besonders interessant, wenn ihr dort auf der Wasserfläche Spiegelungen der Bäume des Hanges erzeugen wollt. Je nasser der Farbauftrag ist, umso leichter lassen sich die Farben nach unten ziehen.

Mit diesem Werkzeug, dem Misch-Pinsel, erzielt ihr Ergebnisse, die mit Fotografie fast gar nichts mehr gemein haben und eher an Gemälde erinnern. Alle unter euch, die gern kreativ sind, sollten damit viel experimentieren. Und es macht wirklich viel Spaß, damit zu arbeiten. Probiert es aus!

Teil 4: Der Radierer

Seit der ersten Version von Photoshop gibt es ein Werkzeug, mit dem man Pixel eliminieren kann. Das ist der sogenannte Radierer bzw. das Radiergummi-Werkzeug.

Ihr findet es ebenfalls in der Werkzeugleiste und man kann damit ganz normal radieren. Nutzt ihr den Radierer in einem Bild, so werden die Pixel, die kompletten Bildinformationen, an den betroffenen Stellen gelöscht und die Hintergrundfarbe wird sichtbar.

Wirkungsweise des einfachen Radiergummiwerkzeugs.

Diese Eigenschaft ist auch der große Nachteil dieses Werkzeugs: Es arbeitet destruktiv, zerstörerisch. Ich verwende diesen Radierer darum überhaupt nicht für das Freistellen von Objekten und möchte sogar ausdrücklich davon abraten. Aber es gibt gute Alternativen. Und eine davon werde ich euch jetzt vorstellen.

Das Werkzeug, das ich euch zum Freistellen empfehlen werde, ist der Hintergrund-Radierer. Er arbeitet natürlich ebenfalls destruktiv, hat aber eine wichtige Eigenschaft zusätzlich, die diesen Nachteil wieder wettmacht.

Arbeitet ihr mit dem Hintergrund-Radierer, solltet ihr als Erstes euer Bild duplizieren und eine der beiden Ebenen durch Klick auf das Augensymbol ausblenden. Wenn ihr dann auf der anderen Ebene zu arbeiten beginnt, scheint das Gleiche zu geschehen wie bei der Arbeit mit dem normalen Radierer. Aber dieses Werkzeug funktioniert wie das Farbe-ersetzen-Werkzeug. Nur dass die durch das Pinselkreuz ausgewählte Farbe im Rahmen der eingestellten Toleranz gelöscht wird. Ein wunderbares Werkzeug also, um Objekte schnell freizustellen, die von einem relativ gleichfarbigen Hintergrund umgeben sind wie das Gebäude auf dem Beispielbild.

Wirkungsspuren des Hintergrund-Radierers. Das freizustellende Gebäude wird durch die Funktion des Werkzeugs vom Löschvorgang verschon.

Je nach eingestellter Toleranz müsst ihr, um das Gebäude sauber freizustellen, zwei oder drei Mal über die Flächen gehen, bis auch der letzte Rest der Farbe wegradiert ist.

Ein weiterer Nachteil des Hintergrund-Radierers zeigt sich im Beispielbild an den Stellen, wo sich der Himmel in den Fenstern spiegelt. Auch dort wird die Farbe gelöscht und die Fenster erscheinen transparent. Das wollen wir aber da nicht haben.

Um das zu vermeiden, gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen könnt ihr die Toleranz heruntersetzen. Aber dadurch müsst ihr häufiger die Farbe neu aufnehmen und das hält die Arbeit auf. Die zweite Möglichkeit, die ich euch auch hier zeige, ist: Ihr stellt den Modus in der Optionsleiste von Nicht aufeinander folgend auf Benachbart um. Da die Fenster durch eine helle Kante vom Himmel getrennt sind, bleibt der Farbanteil in diesen nun wie gewünscht unangetastet und ihr könnt weiter recht schnell arbeiten.

Das Gebäude ist freigestellt, aber noch ist ein Teil des Hintergrundes im Bild zu sehen.

Habt ihr es geschafft, das Gebäude rundherum vom Hintergrund zu trennen, kann man, ohne einen Radierer zu nutzen, den Hintergrund unter einer Ebenenmaske verstecken.

Luminanzauswahl

Wie ihr das schnell erledigen könnt, werde ich euch nun erklären: Ihr betätigt die Steuerungs- oder Befehlstaste und klickt direkt in die Ebenenminiatur hinein. Dadurch wird im Bild ein Auswahlrahmen erstellt, der alle noch vorhandenen Pixel einschließt. Das nennt man Luminanzauswahl.

Dann blendet ihr die zu Bearbeitungsbeginn erzeugte Ebenenkopie wieder ein, aktiviert sie und ruft über das Ebenenmaskensymbol, das sich in der Leiste unter den Bildebenen befindet, eine Maske auf. Die zuvor erzeugte Auswahl wird in der Maske als schwarze Fläche sichtbar. Die Ebene, in welcher ihr bisher mit dem Hintergrund-Radierer gearbeitet habt, könnt ihr nun löschen, da alle bisher erzeugten Informationen über die abzudeckenden Bildbereiche in die Maske aufgenommen wurden.

Maskenansicht, noch mit den Spuren der nicht perfekten Arbeit des Hintergrund-Radierers

Klickt mit gedrückter Alt-Taste auf das Maskensymbol und die schwarz-weiße Maskenansicht wird über dem Bild eingeblendet. Darauf könnt ihr mit einem schwarzen Pinsel schnell den restlichen Hintergrund übermalen. Aber euch werden in der Maske jetzt die Stellen auffallen, an welchen ihr vorher mit dem Hintergrund-Radierer gearbeitet habt: Dort sind im Schwarz hellere Schlieren enthalten, die bei der weiteren Verwendung des freigestellten Gebäudes für Probleme sorgen könnten.

Also stellt ihr in der Optionsleiste den Pinselmodus auf Ineinanderkopieren und malt noch mal über diese Stellen. Dabei verschwinden die unsauberen Spuren und die weiße Fläche der Maske bleibt unangetastet.

Im Beispielbild sieht man an den Gebäudeseiten Geländer, in welchen sich Glasscheiben befinden. Auch diese Stellen sind nicht komplett schwarz geworden, aber dort will ich die Halbtransparenz, die durch diese grauen Schlieren deutlich wird, für die Arbeit mit einen anderen Hintergrund erhalten. Ihr solltet den Pinseldurchmesser dort kleiner wählen und diese Stellen vorsichtig beim Übermalen aussparen.

Aktiviert nun das Bild mit einem Klick in die Bildminiatur wieder und überzeugt euch, dass der gesamte Hintergrund des Bildes ausgeblendet wurde (unter der Maske verschwunden ist).

Fertige Freistellung nach Wiederaktivierung des Bildes. In der Miniaturansicht in der Ebenenpalette wird sichtbar, das durch die erfolgte Bearbeitung letztlich keine Bildinformationen verloren gegangen sind.

Die Bildinformationen sind aber alle noch enthalten und ihr könnt sie im Weiteren nutzen, um zum Beispiel die Kante der Maske weiter zu verbessern.

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