Camera-Raw-Korrekturen

Schon sehr einfache Korrekturen verbessern die Bildqualität dramatisch. Ihr könnt das Bild neutralisieren, falls es einen Farbstich hat, die Tiefen aufhellen, die Lichter wieder einfangen und vieles mehr. Die Arbeitsmaterialien zu diesem Video-Training findet ihr beim Film Raw vs. Jpg dieses Grundlagentrainings.

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Photoshop-Video-Training - Basics & Tricks

CR2-Datei mit Camera Raw öffnen

Schauen wir uns doch mal an, wie man am besten mit Camera Raw umgeht.

Um das Foto, mit dem wir heute arbeiten wollen, zu öffnen, können wir natürlich – ganz normal – in Photoshop auf Datei>Öffnen gehen. Wir finden es dann auch im entsprechenden Ordner. Es ist eine CR2-Datei.

Ich markiere die Datei und klicke auf Öffnen.

Das Foto öffnet sich automatisch in Camera Raw:

Das funktioniert natürlich. Aber wir schließen das Bild jetzt gleich wieder, denn ich habe einen viel schickeren Tipp für euch …

CR2-Dateien über die Bridge öffnen

Über Datei>In Bridge suchen… kann ich mein Bild auch finden.

Links zeigt sich jetzt die Ordnerstruktur meines Computers und ich klicke mich entsprechend durch bis zu meinem Bild.

Je nachdem, wie viele Unterordner ich habe, kann es ein wenig dauern, bis ich bei meinem Bild angekommen bin – aber es lohnt sich! Denn wenn ich meinen Zielordner (hier: „Bildmaterial“) geöffnet und das .CR2-Bild per Doppelklick angewählt habe, dann öffnet es sich automatisch im Raw-Konverter der Bridge …

Das Fenster sieht ziemlich exakt so aus wie unser voriges von Photoshop. Aber das hier ist der Raw-Konverter der Bridge – der kommt ganz genauso daher.

Mit dem Raw-Konverter der Bridge habt ihr folgenden Vorteil: Angenommen, ihr wollt nicht nur eins, sondern gleich eine ganze Menge Bilder konvertieren, dann werden alle in einer extra Spalte auf der linken Seite aufgelistet. Ihr könntet all diese Bilder korrigieren und danach in Photoshop weiterarbeiten, während hier ein Bild nach dem anderen abgearbeitet wird. Diesen Vorteil würde ich auf jeden Fall nutzen, wenn es um viele Bilder geht.

Aber auch generell ist es einfach schlau, ein Bild über die Bridge zu öffnen.

Interessant und wichtig ist auch: Hier oben wird die Kamera angezeigt, mit der dieses Bild fotografiert wurde.

Es kann manchmal vorkommen, dass der Raw-Konverter das Kameraformat nicht erkennt. Das liegt dann wahrscheinlich daran, dass ihr eine verhältnismäßig neue Kamera verwendet und eventuell nicht den neuesten Raw-Konverter. In diesem Fall hilft meist ein Besuch bei www.adobe.de. Schaut dort nach einem Update für euer Camera Raw, denn im Normalfall wird da eure Kamera mit drin sein.

Das Weißabgleich-Werkzeug

Nun haben wir das Bild im Raw-Konverter der Bridge geöffnet und schauen uns an, was man daran verändern sollte, damit es nicht mehr ganz so schlimm aussieht wie im Moment.

Das Erste, womit ich normalerweise anfange, ist die Farbe. Denn die Farbe verschiebt die Farbkanäle und das wiederum kann einen Einfluss auf die Helligkeit des Bildes haben. Ich fange also nicht in der rechten Spalte mit der Belichtung oder gar dem Kontrast an, sondern schnappe mir das Weißabgleich-Werkzeug mit dem Pipetten-Symbol …

… und suche mir einen neutralen Punkt im Bild.

Ich klicke also in den weißen Bereich, bekomme aber diese Fehlermeldung:

Der Bereich ist zu hell. Er ist so hell, dass Photoshop keinen Unterschied feststellen kann. Deswegen funktioniert das nicht. Ich klicke die Meldung weg und muss mir also einen leicht dunkleren Bereich suchen.

Ich nehme eine Stelle an der Wand. Die sieht hier etwas gelblich aus, aber weil ich das Foto ja gemacht habe, weiß ich, dass die Wand im Original weiß gestrichen ist.

Sobald ich auf diese Stelle klicke, wird das gesamte Bild neutralisiert …

Dabei möchte ich auf eine Kleinigkeit hinweisen: Wenn man lange genug auf dieses Gelb geschaut hat, gewöhnt sich das Auge daran und das neutralisierte Bild, das ihr hier unten seht, erscheint auf den ersten Blick leicht bläulich, also überreguliert. Mit dem Vorschau-Häkchen könnt ihr den Vorher-Nachher-Effekt vergleichen.

Schaut also nach der Neutralisierung erst 3-5 Sekunden darauf und entscheidet dann, ob ihr an der Temperatur wirklich noch etwas ändern wollt.

Farbtemperatur

In diesem Fall ändere ich die Einstellung Farbtemperatur ganz, ganz leicht. Nicht, weil ich das Ergebnis nicht für neutral halte – denn das ist es wirklich –, sondern weil ich warme Farbtöne für dieses Bild hübscher finde. Und ich darf das auch, solange ich keinen Kunden habe, der beispielsweise diese Farbe produziert und sagt „Nein, das ist Weiß und muss auch Weiß bleiben.“

Wir sind hier bei einer Farbtemperatur von 4500k – k für Kelvin – und ich ändere sie nun minimal auf 4650k. Und jetzt seht ihr, dass alles ein klein wenig wärmer geworden ist.

Dieser kleine Touch reicht mir vollkommen und damit wäre die Farbe eingestellt.

Belichtung

Gehen wir weiter zur Belichtung. Man ist auf den ersten Blick geneigt zu sagen, das Bild ist etwas zu dunkel: Die Treppen sind dunkel, der Boden ist dunkel, die Ecke rechts oben ist dunkel. Wenn ich aber deswegen die Belichtung nach oben ziehen würde, bekäme ich Probleme im Bereich der Fenster-Front und der oberen Treppe, denn diese Seite ist auf jeden Fall hell genug:

Die Damen am Rechner sind ebenfalls hell genug. Da braucht man gar nichts zu machen. Auch den Kontrast möchte ich auf keinen Fall erhöhen (allenfalls würde ich ihn ein wenig heruntersetzen).

Deswegen mein Tipp: Lasst Belichtung und Kontrast zunächst so, wie sie sind – dafür haben wir später bessere Tricks.

Histogramm

Das Histogramm zeigt auch in den Tiefen alles, die Mitteltöne sind vorhanden und auch die Lichter sind auf jeden Fall da. An den seitlich abgeschnittenen Enden im Histogramm sehen wir, dass wir sowohl in den Lichtern als auch in den Schatten noch ein paar Tonwerte haben.

Und mir geht es ja darum, diese Tonwerte ganz links und ganz rechts zu mobilisieren.

Tiefen

Fangen wir mit den Tiefen an. Hier haben wir zwei Regler: einerseits Tiefen und andererseits Schwarz.

Zunächst zeige ich euch den Unterschied zwischen beiden Reglern.

Wenn ich den Regler Tiefen nach oben – sprich: nach rechts – schiebe, seht ihr, dass die Tiefen im Bild Zeichnung bekommen.

Genau das wollte ich eigentlich haben. Hier das Bild in ganzer Ansicht:

Schwarz

Ich stelle testweise den Regler Tiefen wieder zurück, um besser zu sehen, was der Regler Schwarz kann. Ich ziehe also den Regler Schwarz nach rechts und mache damit das Bild heller.

Es ergibt sich zwar auch ein bisschen mehr Zeichnung, aber das Ergebnis vorhin mit dem Regler Tiefen war doch deutlich besser.

Werte auf Null setzen

Also stelle ich beide Werte (Tiefen und Schwarz) per Doppelklick auf den jeweiligen Regler zurück auf null.

Ich gehe bei diesem Bild also auf jeden Fall zunächst in die Tiefen, um die Schatten aufzuhellen. Den Regler Tiefen schiebe ich so weit, bis mir die Schatten gefallen. Bei ca. +78 finde ich sie ganz schön.

Das Einzige, was mir jetzt nicht mehr so gefällt, ist der Kontrast, der nun etwas flau geworden ist.

Und genau dafür ist jetzt der Regler Schwarz gut. Ich gehe damit allerdings nach links. Nicht, um die Schatten dunkler zu machen, sondern um das, was ich an tiefen Schatten im Bild habe, also das, was den Kontrast des Bildes hergibt, zu erhöhen. Beim Wert -30 lasse ich den Regler stehen. Das sieht gut aus.

Lichter

Genau das Gleiche kann man natürlich auch mit dem Regler Lichter machen. Der Bereich am Fenster (siehe Markierung) sah nicht wirklich gut aus, deshalb ziehen wir die Lichter auf ca. -65 herunter und gewinnen etwas mehr Zeichnung.

Weiß

Den Regler für Weiß ziehe ich auch noch ein wenig herunter auf ca. -28. Dadurch bekommen wir insgesamt harmonischere Übergänge.

Vorher-/Nachher

Ganz spannend ist jetzt der Vergleich unseres Ausgangsbildes mit dem aktuellen Bearbeitungsstand. Dazu klicke ich die Vorschau aus und wieder an.

(Den Vergleich des unteren Bildteils findet ihr auf der nächsten Seite dieses Tutorials).

Es hat sich schon mächtig gelohnt, das Bild im Raw-Format auseinanderzuklamüsern, oder?

Wir sind aber noch nicht ganz fertig: Ich würde gern die Klarheit noch erheben.

Klarheit

Die Klarheit ist im Prinzip so etwas wie der Kontrast der Mitteltöne. Um zu zeigen, was ich damit meine, schauen wir uns diese Lady-Gruppe genauer an. Ich zoome zunächst etwas ins Bild hinein:

Wenn ich nun den Regler Klarheit auf ca. +26 setze, seht ihr, dass der Kontrast der Mitteltöne ansteigt. Genau genommen ist es der Lokalkontrast, also der Kontrast, der zwischen Tonflächen besteht.

Ich nutze diese Funktion ganz gerne, da die Mitteltöne besseren Kontrast bekommen, ohne dass Schatten zulaufen oder Lichter ausfressen.

Allerdings wäre ich bei Porträts damit eher vorsichtig. Bei Porträts sollte man eher umgekehrt verfahren: die Klarheit etwas runternehmen. Ich zeige es hier mal kurz und stelle den Regler zum Beispiel auf -46 …

Ihr seht, wie die Mitteltöne deutlich im Kontrast nachlassen.

Bei diesem Motiv ist es wesentlich schöner, die Klarheit etwas nach oben zu bringen. Also stelle ich den Regler schnell wieder zurück auf den Wert, den wir vorhin hatten, nämlich ungefähr +17.

Bildfehler haben wir zwar noch nicht korrigiert, aber allein bis hierher hat das Bild – im Vergleich zu dem, was da ursprünglich aus der Kamera kam – doch schon enorm gewonnen, oder? Und das alles nur mit der ersten Seite des Raw-Konverters.

Schaut noch einmal, so sah es zu Beginn aus:

Und das haben wir daraus gemacht:

Das ist die vertextlichte Version eines Videos von Uli Staiger.

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