HDR-Bilder erzeugen in Photoshop

Übersteigt der Motivkontrast das Abbildungsvermögen der Kamera, so lassen sich durch mehrere Belichtungen und die Anwendung zu HDR zusammenfügen dennoch alle Tonwerte abbilden. So kann man entweder eine echte 32-bit-Datei erzeugen oder über das sogenannte Tonmapping eine 16- oder 8-bit-Datei, die alle relevanten Tonwerte enthält.

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In diesem Tutorial geht es darum, eine HDR-Aufnahme (High Dynamik Range) mit Photoshop zu erstellen.

Schritt 1

Da Kameras nur einen maximalen Dynamikumfang von 9-10 Blendenstufen haben, muss man sich entscheiden, wenn man ein solches Bild fotografiert, ob man lieber auf die Lichter oder auf die Schatten belichtet. In diesem Fall habe ich weder das eine noch das andere getan. Ich habe stattdessen die Mitteltöne belichtet. Hierbei kommen weder die Lichter noch die Schatten optimal zur Geltung.

Schritt 2

Was macht man? Man belichtet eine solche Szene nicht nur einmal, sondern je nach Dynamikumfang drei- bis fünfmal. Hier habe ich mich für drei Belichtungen entschieden, um sie später zu einem sogenannten HDR-Bild zusammenzufassen.

HDR bedeutet High Dynamic Range, hoher Dynamikumfang, und beschreibt genau, worum es geht: dass der hohe Dynamikumfang dieses Motivs wiedergegeben wird.

So sieht es aus, wenn man auf die Schatten belichtet. Auf dem Bild kann man sehr gut erkennen, wie in den Schattenbereichen noch Zeichnung vorhanden ist, so, wie das Auge es auch sehen würde.

Schritt 3

Bei diesem Bild wurden die Lichter belichtet, hier ist noch ausreichend Zeichnung in den hellen Bereichen vorhanden.

Schritt 4

Damit ich diese drei Bilder zu einem einzigen HDR-Bild zusammenfügen kann, muss ich alle drei Bilder markieren. Um in der Bridge alle zu markieren, klicke ich bei gedrückter Strg-Taste mit der linken Maustaste alle drei Bilder an.

Schritt 5

Den HDR-Dialog starte ich aus der Bridge, über Werkzeuge>Photoshop>Zu HDR Pro zusammenfügen.

Schritt 6

Alternativ kann ich den Dialog auch in Photoshop starten. Dazu muss ich alle drei Bilder in Photoshop öffnen. Hierzu mache ich einen Doppelklick auf die drei markierten Bilder in der Bridge, damit diese in Photoshop geöffnet werden. Über Datei>Automatisieren>Zu HDR Pro zusammenfügen starte ich ebenfalls den Dialog.

Schritt 7

Als Nächstes fragt uns Photoshop, welche Quellen wir auswählen möchten. Wir nehmen natürlich die bereits geöffneten Dateien, die anschließend in dem Fenster angezeigt werden. Jetzt müssen wir nur noch auf OK klicken.

Schritt 8

Daraufhin öffnet sich ein Warnhinweis, den ich mit OK schließe.

Schritt 9

Anschließend öffnet sich der Dialog Zu HDR Pro zusammenfügen.

Schritt 10

Hier gibt es diverse Vorgaben, die euer Bild beeinflussen. Klickt euch da einfach mal durch und seht, was dabei Interessantes passiert.

Schritt 11

Z.B. Flach bedeutet eine sehr flache Gradation, es bedeutet aber auch, dass wir Zeichnung in den hellen sowie in den tiefen Bereichen haben.

Schritt 12

Wenn ich das Bild mit der Gradationskurve ein klein wenig aufstyle, bin ich eigentlich schon ziemlich perfekt und genau da, wo ich hinwollte, nämlich dahin, dass die Lichter und Schatten Zeichnung haben und trotzdem die Mitteltöne dabei gut wegkommen.

Schritt 13

Aber ich lass das mal, ziehe die Gradationskurve wieder zurück und gehe bei den Vorgaben auf Benutzerdefiniert.

Wir schauen mal, was wir noch so alles haben. Wenn ihr das Bild nun auf 200% vergrößert, könnt ihr im Folgenden die Änderungen besser beurteilen, die die einzelnen Regler bewirken.

Schritt 14

Mit dem Radius-Regler könnt ihr die Leuchtkonturen vergrößern; je größer ihr diesen Radius ansetzt, desto besser kommen große Konturen weg, je kleiner ihr den Radius ansetzt, desto besser ist es für die kleinen Feinheiten im Bild. Wenn wir die Stärke stark nach oben ziehen, dann seht ihr, wie eine deutliche Schärfung des lokalen Kontrasts im Kleinen vorgenommen wird. Setzt man den Radius ein wenig nach oben, entschärft sich das Ganze wieder. Durch das Herabsetzen der Leuchtkonturen betont man die größeren Flächen.

Damit es gut aussieht, müsst ihr hier einen Mittelweg finden. Ihr könnt aber auch mit den voreingestellten Werten arbeiten, die ungefähr bei Radius 41px und bei Stärke 0,76px liegen. Damit bekommt man meistens schon ein ganz gutes Ergebnis.

Schritt 15

Nun stellen wir die Ansicht auf 66% ein, um wieder das ganze Bild zu sehen. Indem man den Gamma-Regler nach oben bzw. nach unten setzt, beeinflusst man die Gradation im Bild. Gamma ist die Größe für die Gradation. Mit ihr kann man flache Kurve wieder aufpolieren. Aber Vorsicht, damit die Lichter nicht verloren gehen.

Schritt 16

Man kann damit auch ein Bild, das zu viele Lichter und zu viele Schattenpartien weglässt, flacher gestalten.

Am besten ist es, wenn wir bei diesem Bild im mittleren Bereich bleiben, den Gamma-Regler also auf etwa 1.06 einstellen.

Schritt 17

Mit dem Regler Belichtung habt ihr die Möglichkeit, den gesamten Belichtungsrahmen zu nutzen, der im Bild zur Verfügung steht. Und zwar über alle drei Belichtungen. Wenn ich mit der Belichtung runtergehe, erhöhe ich die Zeichnung in den Lichtern. Gehe ich nach oben, erhöhe ich die Zeichnung in den Schattenbereichen.

Das gilt natürlich auch für das Gamma, denn auch dabei greife ich auf alle Bilder zurück, die ich zu Beginn mit einbezogen habe. Versucht also mit diesen beiden Reglern, die Belichtung (Helligkeitseindruck) und die Steilheit des Bildes darzustellen.

Schritt 18

Die Wirkung des Detail-Reglers sehe ich am besten bei einer Ansicht von 200%.

Wenn ich mit dem Regler nach oben gehe, erhöhe ich den Lokalkontrast und das Bild gewinnt mehr und mehr an Zeichnung, ohne dass sich meine Tonwerte verschieben, die Schatten zulaufen und die Lichter ausfressen. Deswegen ist der Detail-Kontrast dazu da, das Bild sozusagen so aussehen zu lassen, als würde man es mit dem menschlichen Auge betrachten.

Schritt 19

Dann gibt es noch die salvatorischen Regler, die das alles, was ihr oben eingestellt habt, relativieren. Ihr könnt z.B. die Tiefen anheben oder absenken; Lichter anheben, wenn sie euch insgesamt zu dunkel erscheinen, oder absenken, um wieder deutlich mehr Zeichnung in das Bild zu bekommen.

Ich bin aber der Meinung, dass Änderungen der Tiefen und Lichter besser in einer getrennten Korrektur vorgenommen werden, denn der eigentliche Tiefen- und Lichter-Dialog ist etwas ausgefeilter. Über Bild>Korrekturen>Tiefen/Lichter kommt ihr bei Bedarf dorthin. Dort kann man einen Radius zur Wiederherstellung der ursprünglichen Lichtkonturen und der ursprünglichen Schatten eingeben, was uns hier leider in diesem Dialog fehlt.

Deswegen: Versucht es hier besser mit den oberen Reglern und lasst Tiefen und Lichter an dieser Stelle ungefähr da, wo sie waren, nämlich bei 0%.

Schritt 20

Dynamik und Sättigung sind relativ verwandt miteinander, mit dem Unterschied, dass die Dynamik eben auf das zugreift, was verhältnismäßig wenig Farbe hat, und die Sättigung alle Farben im Bild gleichmäßig erhöht oder verringert.

Wenn ich also mit der Dynamik nach unten gehe, kann ich die Sättigung erhöhen, damit bekomme ich ein sehr viel natürlicheres Ergebnis. Wenn ich es mal versuchsweise umgekehrt mache, also: Sättigung runter und Dynamik rauf, dann sieht man, dass das Bild insgesamt flau wirkt. Da ich das nicht möchte, bleibe ich lieber mit meiner Dynamik relativ weit unten und fahre mit der Sättigung so weit nach oben, bis ich natürliche Farben erhalte.

Schritt 21

Um das Bild zu finalisieren, setze ich nun den Radius noch ein klein wenig herab, damit es nicht ganz so nach Leuchtkontur aussieht. Die Stärke setze ich ebenfalls ein wenig runter.

Folgende Werte habe ich in diesem Beispiel verwendet:
Radius: 23
Stärke: 0.45
Gamma: 1.06
Belichtung: 0.00
Detail: 128
Tiefen: 0
Lichter: 0
Dynamik: -48
Sättigung: 45

Jetzt bin ich zufrieden und drücke OK.

Schritt 22

Vergleiche ich zum Abschluss das erzeugte Bild mit dem Ausgangsbild der mittleren Belichtung, sieht man deutlich, dass die Zeichnung in den Lichtern mächtig zugenommen hat. In den Schatten ist überall Zeichnung drin, womit der gesamte Dynamik-Umfang des Bildes abgemildert wurde.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Nachmachen.

Das ist die vertextlichte Version eines Videos von Uli Staiger.

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