Smart-Objekte in Adobe Photoshop

Es hat verschiedene Vorteile, eine Raw-Datei in Photoshop als Smart-Objekt zu öffnen. Ihr könnt zwei Entwicklungen, die unterschiedlich konvertiert wurden, als Ebenen übereinanderlegen und so das Maximale an Kontrast und Zeichnung aus einem Bild herausholen!

Die Arbeitsmaterialien zu diesem Tutorial findet ihr im Film Raw vs. Jpg dieses Grundlagentrainings.

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In diesem Tutorial möchte ich dir den Sinn von Smart-Objekten im Zusammenhang mit Adobe Camera Raw sowie die unterschiedlichen Speichermöglichkeiten in Camera Raw näherbringen.

Wenn du in Camera Raw ein Bild fertig entwickelt hast, möchtest du es wahrscheinlich speichern oder in Photoshop weiterverarbeiten. Dazu hast du mehrere Möglichkeiten.

Um die Änderungen an der Raw-Datei auf der Festplatte abzuspeichern, ohne das Bild in Photoshop zu öffnen, klicke einfach auf den Fertig-Button.

Camera Raw: Fertig Button

Um das Bild direkt aus Camera Raw in einem anderen Format zu speichern, klicke auf den Button Bild speichern….

Camera Raw: Bild Speichern... Button

Im erscheinenden Fenster findest du die Speicheroptionen. Dort kannst du einstellen, wo und wie das Bild abgespeichert werden soll. Die wichtigste Einstellung dabei ist natürlich das Dateiformat. Du hast insgesamt vier verschiedene zur Auswahl: JPEG (.jpg,) TIFF (.tif,) Photoshop (.psd) und Digital-Negativ (.dng).

Camera Raw: Speicheroptionen: Formatauswahl

Die Anwendungsbereiche von JPEG (vorwiegend Webdarstellungen), TIFF (Druck) und Photoshop (Weiterverarbeitung in Photoshop) sind ja sicher bekannt.

Interessant wird es beim DNG-Format. Das sogenannte digitale Negativ wurde von Adobe entwickelt, damit die Raw-Daten vieler unterschiedlicher Hersteller und Kameramodelle in ein einheitliches Format konvertiert und so auch in vielen Jahren noch von Raw-Konvertern gelesen werden können.

Adobe bietet auch einen kostenlosen DNG-Converter an, mit dem jedes beliebige Raw-Format in DNG konvertiert werden kann.

Camera Raw: Speicheroptionen: Format: Digital-Negativ

Die dritte Möglichkeit, dein Bild weiterzuverarbeiten, stellt die Funktion Bild öffnen dar. Mit dieser öffnest du dein fertig entwickeltes Bild direkt in Photoshop.

Camera Raw: Bild öffnen Button

Mit welchen Eigenschaften (Farbraum, Farbtiefe usw.) das Bild in Photoshop geöffnet werden soll, wird über die Arbeitsablauf-Optionen festgelegt. Du erreichst diese, indem du auf die blaue Schrift am unteren Ende des Camera-Raw-Fensters klickst.

Camera Raw: Arbeitsablauf-Optionen

Zur Weiterverarbeitung in Photoshop solltest du als Farbraum Adobe RGB auswählen, da dieser im Farbumfang deutlich größer ist als zum Beispiel sRGB. Willst du dein Bild hingegen nur im Internet publizieren, genügt der sRGB-Farbraum.

Camera Raw: Arbeitsablauf-Optionen: Farbraum

Bei der Farbtiefe kannst du zwischen 8 und 16 Bit/Kanal wählen. Bei einer Farbtiefe von 16 Bit können zwar mehr Farben dargestellt werden, spürbar wird dies allerdings nur bei feinen Verläufen. Für ein normales Foto sollten 8 Bit/Kanal (rund 16,7 Millionen Farben) vollkommen ausreichen.

Camera Raw: Arbeitsablauf-Optionen: Farbtiefe

Änderungen an der Größe solltest du möglichst vermeiden. Wählst du hier eine Auflösung, die kleiner ist als die native Auflösung deiner Kamera, verlierst du logischerweise Pixel. Bei einer höheren Auflösung wird das Bild hingegen künstlich interpoliert und du gewinnst zwar Pixel, aber keine Qualität. Daher bleiben wir hier auch bei der vorausgewählten Bildgröße, die schon von der Kamera festgelegt wurde (daran erkennbar, dass dort weder ein Plus- noch ein Minuszeichen hinter dem Wert erscheint).

Camera Raw: Arbeitsablauf-Optionen: Größe

Die Auflösung kannst du ruhig auf 300 dpi stellen. Dieser Wert beeinflusst natürlich in keiner Weise die Datei- oder Bildgröße, sondern legt fest, in welcher Auflösung das Bild gedruckt werden soll.

Camera Raw: Arbeitsablauf-Optionen: Auflösung

Ganz unten findest du ein Häkchen mit der Bezeichnung In Photoshop als Smart-Objekte öffnen. Hier kannst du festlegen, dass alle Raw-Bilder grundsätzlich als Smart-Objekt geöffnet werden sollen. Da es jedoch einfacher ist, von Fall zu Fall selbst zu entscheiden, markieren wir die Auswahlbox nicht.

Camera Raw: Arbeitsablauf-Optionen: In Photoshop als Smart-Objekte öffnen

Dieselbe Funktion kannst du jeweils temporär aufrufen, indem du mit gedrückter Shift-Taste auf den Button Objekt öffnen klickst, der dann anstelle von Bild öffnen erscheint.

Camera Raw: Objekt öffnen Button (temporär)

In den folgenden Schritten möchte ich zeigen, wie sinnvoll es sein kann, ein Bild in Photoshop als Smart-Objekt zu öffnen.

Sehen wir uns dazu einmal das hier verwendete Beispielbild in Camera Raw an:

Camera Raw: Beispielbild

Vor allem im Wald haben wir ziemlich zugelaufene Schatten, was bei Laub und starker Sonneneinstrahlung relativ schnell passieren kann. Um den Schatten ein wenig mehr Transparenz zu geben, hellen wir die Tiefen ein wenig auf.

Camera Raw: Aufhellung Tiefen

Die Gischt wirkt durch die direkte Sonneneinstrahlung leuchtend weiß und hat nahezu keine Struktur. Um diesem Effekt entgegenzuwirken, solltest du die Lichter deutlich reduzieren und den Weiß-Anteil im Bild etwas nach unten korrigieren.

Camera Raw: Reduktion Lichter und Weiß-Anteil

Im Direktvergleich siehst du, dass das Bild zwar an vielen Stellen an Zeichnung gewonnen, die Strahlkraft und der Kontrast hingegen deutlich darunter gelitten haben.

Camera Raw: Beispielbild: Direktvergleich

Durch eine leichte Belichtungsanhebung kannst du es ein wenig besser machen. Im Großen und Ganzen jedoch bleibt das Bild flau …

Camera Raw: Beispielbild: Erhöhung Belichtung

Und hier kommen die Vorteile der Smart-Objekte ins Spiel. Öffne das Bild zunächst als Smart-Objekt in Photoshop.

Camera Raw: Als Smart-Objekt in Photoshop öffnen

Nun legst du eine Kopie des Smart-Objekts an. Dabei ist es wichtig, dass du nicht einfach die Ebene duplizierst, indem du das Smart-Objekt auf das Ebenenkopie-Symbol ziehst (oder im Menü über Ebene>Ebene duplizieren …) Dies legt zwar eine exakte Kopie des Smart-Objekts an, allerdings verweist diese Kopie intern auf dieselbe Datei. Sie reagiert somit exakt gleich wie das originale Smart-Objekt. Jede Änderung an einem Bild wird auf beide Smart-Objekte gleichermaßen angewendet.

Photoshop: Smart-Objekt kopieren: Falsch

Um eine unabhängige Kopie des Smart-Objekts zu erstellen, verwendest du den Menüpunkt Ebene>Smartobjekte>Neues Smartobjekt durch Kopie. Diese Ebenenkopie verweist nun auf eine Kopie der Originaldatei und diese kann daher beliebig bearbeitet werden, ohne dass das Originalobjekt selbst verändert wird.

Photoshop: Smart-Objekt kopieren: Richtig

Klicke nun doppelt auf die Ebenenminiatur der Kopie, um das Bild erneut in Camera Raw zu öffnen.

Photoshop: Smart-Objekt-Kopie: In Camera-Raw öffnen

Nun geht es darum, dem Bild all das zurückzugeben, was bei der ersten Bearbeitung verloren ging. Dazu dunkeln wir die Tiefen ab und heben Lichter, Belichtung, Kontrast und Klarheit soweit an, dass sich ein kontrastreiches, leuchtendes Bild ergibt.

Camera Raw: Kontrastreiches Bild erstellen

Mit OK wechseln wir wieder zurück zu Photoshop. Im Prinzip hast du nun zwei Bilder (ein mattes, flaues mit viel Durchzeichnung und ein kontrastreiches, leuchtendes mit nahezu keiner Durchzeichnung), die nur noch miteinander verrechnet werden müssen.

Wechsel zu Photoshop + Direktvergleich

Öffne dazu zunächst den Ebenenstil über Ebene>Ebenenstil>Fülloptionen oder indem du doppelt rechts neben der Ebenenminiatur auf das obere Smart-Objekt klickst.

Photoshop: Ebenenstil öffnen

Nun kannst du in den Fülloptionen über das Register Ausblenden einen Teil der Lichter der kontrastreicheren Ebene ausblenden. Ziehe dazu mit gedrückter Alt-Taste den im Screenshot markierten Regler nach links. Dadurch bleibt ein Teil der hellen Lichter in der Gischt erhalten und trotzdem wird die Durchzeichnung sichtbar.

Photoshop: Ebenenstil: Gischt Zeichnung zurückgeben

Die Transparenz in den Schatten kannst du variieren, indem du den linken Regler mit gedrückter Alt-Taste nach rechts ziehst und so einen Teil der Tiefen ausblendest.

Photoshop: Ebenenstil: Schatten Zeichnung zurückgeben

Das Ergebnis ist ein Bild mit ausreichend viel Kontrast, der in der ersten Entwicklung fehlte, und einer starken Durchzeichnung, die in der kontrastreicheren Raw-Bearbeitung wiederum kaum sichtbar war.

Ergebnis

Das ist die vertextlichte Version eines Videos von Uli Staiger.

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